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Die BNP hat im Kampf um die Übernahme der Credit Lyonnais Terrain gegen den Rivalen Credit Agricole verloren.

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Paris - Der Crédit Agricole hat bis am Dienstagabend insgesamt 17,4 Prozent am Crédit Lyonnais erworben. Bisher hielt die genossenschaftlich organisierte Bankengruppe 12,2 Prozent der Anteile. Sie kontert damit die Ambitionen des französischen Marktführers BNP Paribas, die Ende November in einer Blitzauktion den letzten Staatsanteil von 10,9 Prozent am Crédit Lyonnais (CL) erworben hatte. Seither geht es Schlag auf Schlag. Zuerst kauften anonyme Interessenten massenweise CL-Aktien. Dann outete sich BNP Paribas: Ihr Vorsitzender Michel Pébereau gab bekannt, dass seine Bank durch Zukäufe 16,4 Prozent besitze. Nun zeigt sich, dass auch der Crédit Agricole, der durch den Coup auf dem falschen Fuß erwischt worden war, im Hintergrund aktiv war, nachdem der bisherige Chef Jean Laurent durch René Carron ersetzt worden war. Nach der jüngsten Ankündigung liegt das ländlich orientierte Kredithaus wieder mit vor dem großen Rivalen aus Paris. Endziel ist die vollständige Kontrolle des Lyonnais, der Nummer vier in Frankreich hinter BNP Paribas, Crédit Agricole und Société Générale. Netze und Allianzen Sowohl Pébereau wie Carron wollen ihre Bankfilialen mit dem dichten Netz des Crédit Lyonnais (über 1800 Filialen) zusammenlegen, um von Frankreich aus in Europa Fuß zu fassen. An sich hat keiner von ihnen die Mittel dazu: Sogar die wohlhabende BNP Paribas kann nach Angaben Péberaus höchstens neun Mrd. Euro für den Crédit Lyonnais locker machen; dessen Börsenwert beträgt aber gut das Doppelte. Pébereau ist allerdings mit der Versicherung Axa verbündet, die 5,3 Prozent der CL-Anteile hält. Umgekehrt spannt der Agricole mit der italienischen Bank Intesa (3,6 Prozent) zusammen und steht mit der zur deutschen Allianz gehörigen Versicherung AGF auf gutem Fuß. Beide Lager werden nun versuchen, die je knapp vierprozentigen Anteile der verkaufswilligen Commerzbank und BBVA (Spanien) zu kaufen. Derzeit beteuern beide Seiten, sie seien an einer "freundschaftlichen" Lösung, das heißt einer Kooperation mit CL-Chef Jean Peyrelevade, interessiert. Aber nicht nur aus Geldmangel: Pébereau und Carron wollen es sich auf keinen Fall mit den Bankbehörden verderben, die ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben. (Stefan Brändle, DER STANDARD, Printausgabe 12.12.2002)