Düsseldorf. - Für ihre scharfsinnige und aufrüttelnde Gesellschaftskritik ist die österreichische Autorin Elfriede Jelinek am Freitag mit dem Düsseldorfer Heinrich-Heine-Preis geehrt worden. "Das Anklagen wie das Klagen, das liegt mir einfach im Blut. Dass mir nichts heilig ist, auch darin ist mir Heine ein Vorbild", sagte die 56 Jahre alte Schriftstellerin und Dramatikerin in ihrer Dankesrede. Der Preis, der seit 1972 zum 14. Mal vergeben wurde, ist mit 25.000 Euro dotiert. Er erinnert an den Dichter Heinrich Heine (1797-1856), der in Düsseldorf geboren wurde. Jelinek beklagte eine Machtlosigkeit der Sprache gegen Gewalt und politischen Extremismus. "Die Feder soll ja noch mächtiger sein als die Macht, aber alle, die das Schwert um einen Kopf kürzer gemacht hat, glauben das nicht." Intellektuelle, die vor den Gefahren eines aufstrebenden Rechtsextremismus warnten, würden gnadenlos verspottet und verleumdet. Angst vor dem "gesunden Volksempfinden" Sie fürchte die "dunklen Energien des Volkes, wenn es von der Leine losgelassen wird", sagte Jelinek, die seit Jahrzehnten den Genozid an den Juden thematisiert. Ihr jüdischer Vater war im Nationalsozialismus dem Konzentrationslager nur knapp entkommen. Die Chefdramaturgin am Zürcher Schauspielhaus, Stefanie Carp, würdigte Jelinek in ihrer Laudatio als "blasphemische Aufklärerin" in der Tradition Heines. Es gebe nur wenige Autorinnen, "die so heftig gehasst und anerkannt" würden. "Meisterin des Wortspiels" "Jeder ihrer Texte hat eine soziale Reaktion ausgelöst. Ihr Werk ist satanisch und sperrig, sarkastisch und irritierend, polemisch und voller Trauer und unbarmherzig wahr", sagte Carp. Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin nannte die in der Steiermark geborene Dichterin, die zu den meistgespielten Theaterautoren der Gegenwart gehört, eine "Meisterin des Wortspiels". Am Samstag wird im Düsseldorfer Schauspielhaus eine Bühnenfassung von Jelineks Roman "Die Liebhaberinnen" uraufgeführt. Zu ihren bekanntesten Werken zählen "Die Klavierspielerin", "Raststätte oder Sie machens alle" und "Die Kinder der Toten". Den Heine-Preis hatten vor Jelinek unter anderem Carl Zuckmayer (1972), Max Frisch (1989) und Hans Magnus Enzensberger (1998) erhalten. (APA/dpa)