Jena - Sie ist die häufigste Ursache für Blindheit im Alter und eine der größten Herausforderungen für die Augenheilkunde: Beispielsweise jeder vierte Deutsche über 65 Jahren leidet an der altersbedingten Makuladegeneration (AMD). Bei den Patienten sterben die Sinneszellen in der Makula ab, dem Zentrum der Netzhaut und Ort des schärfsten Sehens. Besonders tückisch ist der schleichende Verlauf der Krankheit: Da sie nicht schmerzhaft ist, wird sie häufig erst diagnostiziert, wenn es schon zu spät ist. Jenaer Forscher wollen die AMD-Früherkennung nun mit einem neuen Verfahren revolutionieren. Verzerrungen, dunkle Flecken im Blickfeld und eine verschwommene Bildwahrnehmung sind die unmittelbaren Folgen dieses nach wie vor unheilbaren Leidens. Am Ende kann der völlige Verlust der Sehfähigkeit stehen. Verantwortlich dafür sind Abfallprodukte des Stoffwechsels, die sich im Alter hinter den Lichtrezeptoren der Makula anreichern. Dieser "nicht ordnungsgemäß entsorgte Abfall" zerstöre die Rezeptoren und führe zur Erblindung, erklärt Dietrich Schweitzer von der Augenklinik der Universität Jena. Frühzeitig Korrekturen Wenn der Augenarzt den "Müllberg" erkennt, sei es bereits zu spät, der Prozess sei nicht mehr umkehrbar, so der Experte. "Deswegen wollen wir eine Methode entwickeln, die die Degeneration am lebenden Auge früher erfasst", betont Schweitzer, der für seine Idee bereits mit dem Medizintechnikpreis des deutschen Forschungsministeriums ausgezeichnet wurde. Damit könnten Ärzte künftig schon frühzeitig kleinere Korrekturen am Auge vornehmen und auf diese Weise eine vollständige Erblindung verhindern oder schwere Eingriffe vermeiden. Schweitzer will dazu die Eigenschaft der Stoffwechselprodukte des Auges nutzen, schwach zu fluoreszieren, wenn sie mit Laserlicht bestrahlt werden. Dazu beschießt der Mediziner die Netzhaut mit extrem kurzen Laserlichtpulsen, die das Auge schonen. Bereits jetzt kann er nach eigenen Angaben Fluoreszens-Signale mit einer Lebensdauer von einer Nanosekunde messen. Nun gehe es darum, diese feinen Signale den verschiedenen Stoffwechselprodukten im Auge zuzuzuordnen. Ziel sei es, den Ärzten zweidimensionale Fluoreszens-Landkarten der betroffenen Augenregion zu liefern, anhand derer sie sehen könnten, welches Gewebe erkrankt sei. Ursache noch nicht endgültig geklärt Die Ursache der AMD ist bis heute noch nicht endgültig geklärt. Einige Studien weisen aber auf einen Zusammenhang mit dem Mangel an bestimmten Mikronährstoffen hin. Dazu zählen Carotinoide, Vitamine, Spurenelemente und Fettsäuren. Zur Vorbeugung sollten ältere Menschen daher besonders darauf achten, diese Substanzen in ausreichender Menge aufzunehmen. Besonders hoch konzentriert seien in einer gesunden Makula die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin, erklären die Experten. Diese augenfreundlichen Mikronährstoffe würden die Sinneszelle vor energiereichem blauen und ultravioletten Licht und freien Radikalen schützen, die bei Stoffwechselvorgängen im Körper oder bei Lichteinstrahlung entstehen und die Zellen schädigen könnten. AMD-Patienten wiesen oftmals eine zu geringe Konzentration dieser beiden Carotinoiden, aber auch an Vitamin C und E sowie Zink auf, erklärt dazu die Deutsche Seniorenliga und betont: "Wer auf Zigaretten verzichtet, sich ausgewogen und vitaminreich ernährt sowie seine Augen vor intensiver Lichteinstrahlung schützt, kann dazu beitragen, dass seine Sehschärfe bis ins hohe Alter erhalten bleibt." (APA/AP)