Seoul - Nach der Ankündigung zur Wiederinbetriebnahme seiner Atomanlagen hat Nordkorea mit der Entfernung aller Siegel und Beobachtungskameras der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) gedroht. Zum zweiten Mal in drei Tagen rief die Regierung in Pjöngjang die IAEO auf, die Kontrollvorrichtungen abzumontieren. Das berichtete die amtliche nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA am Sonntag. "Falls die IAEO nicht schnell Maßnahmen ergreift, um unserer Forderung nachzukommen, werden wir einseitig die nötigen Maßnahmen ergreifen", hieß es der Agentur zufolge am Samstag in einem Brief an den Generaldirektor der Wiener Behörde, Mohammed el Baradei. Trotz der wachsenden Spannungen begannen unterdessen neue Treffen beider koreanischer Staaten über humanitäre Fragen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Südkorea wolle jedoch auch die Nuklearfrage zum Gegenstand der Gespräche machen, sagte Lee Byong Woong, Leiter einer südkoreanischen Rot-Kreuz-Delegation, am Sonntag vor der Abfahrt nach Nordkorea. Dort wollten beide Seiten bis zum Dienstag eigentlich die Einrichtung eines festen Treffpunktes für getrennt lebende Familien erörtern. Den Nordkoreanern werde er sagen, dass die Nuklearfrage den Frieden auf der Halbinsel bedrohe, sagte Lee. "Wir werden klar machen, dass die derzeitige Situation den humanitären Fragen zwischen beiden Koreas nicht weiterhilft." Zur gleichen Zeit brach eine zweite südkoreanische Delegation zu dreitägigen Gesprächen am selben Verhandlungsort am nordkoreanischen Geumgang-Gebirge auf. Dabei sollte es um die geplante Wiederherstellung der Schienen- und Straßenverbindungen über die innerkoreanische Grenze gehen. Aus Protest gegen Nordkoreas Ankündigung zur Wiederinbetriebnahme der Atomanlagen stoppten südkoreanische Hafenarbeiter am Samstag in Incheon die Verladung von Hilfsgütern für den kommunistischen Nachbarstaat. Die Arbeiten würden erst fortgesetzt, wenn Nordkorea seine Haltung ändere, hieß es in einer Erklärung der Hafenarbeiter- Gewerkschaft in der westlichen Küstenstadt. Die Abfahrt des Schiffes "Eastern Frontier" mit 5100 Tonnen Reis für Nordkorea war für Ende nächster Woche vorgesehen. Nordkorea hatte am vergangenen Donnerstag angekündigt, dass das Land seinen seit acht Jahren abgeschalteten Versuchsreaktor in Yongbyon wieder anfahren und zwei weitere Anlagen weiterbauen werde. Damit hatte das kommunistische Land international große Besorgnis ausgelöst. El Baradei hatte daraufhin an die Führung in Pjöngjang appelliert, "in dieser angepannten Situation mit Zurückhaltung zu agieren und keine einseitigen Schritte zu unternehmen". Die Atomanlagen waren nach einem Rahmenabkommen mit den USA von 1994 abgeschaltet worden. In Südkorea und den USA besteht der Verdacht, die alten Anlagen sowjetischer Bauart könnten dem nordkoreanischen Atomwaffenprogramm dienen. In Yongbyon lagern 8000 abgebrannte Brennstäbe, aus denen nach Ansicht von Experten innerhalb kurzer Zeit Plutonium für Atombomben gewonnen werden könnte. Pjöngjang begründete seinen jüngsten Schritt mit der Energieknappheit im Land und der Entscheidung der USA und ihrer Verbündeten, Heizöllieferungen an Nordkorea auszusetzen. Der Reaktor von Yongbyon nördlich von Pjöngjang hat eine Kapazität von lediglich fünf Megawatt. Der Öl-Lieferstopp ist eine Reaktion auf Nordkoreas Eingeständnis gegenüber der US-Regierung im Oktober, ein geheimes Atomwaffenprogramm zu verfolgen. (APA/dpa)