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Abermals entschuldigte sich Senator Lott am Freitag in Pascagoula, Mississippi für seine Rassismus-Bemerkung

Foto: APA/AFP/Cara Owsley

Der designierte Fraktionsführer der Republikaner im Senat, Trent Lott, steht weiterhin wegen einer rassistischer Äußerung, die er aus Anlass des 100. Geburtstages von Exsenator Strom Thurmond getätigt hat, im Kreuzfeuer der Kritik. Der nach ihm ranghöchste republikanische Senator Don Nickles aus Oklahoma forderte am Sonntag, dass eine neue Wahl für den Mehrheitsführer im Senat durchgeführt wird.

Trotz seiner Entschuldigungen, meinte Nickles, sei Lott durch die Kontroversen dermaßen geschwächt, dass er "die Fähigkeit, unser Programm durchzubringen und alle Amerikaner anzusprechen", verloren habe. Das Problem sei mittlerweile "größer als ein einzelner Senator".

Um eine Neuwahl zu initiieren, muss Nickles vier weitere Senatoren finden, auf deren Antrag eine Sitzung der 51 republikanischen Senatoren einberufen würde. Normalerweise würde dies erst nach dem 7. Jänner, dem Tag, an dem Lott seinen neuen Posten im Senat antreten soll, geschehen. Viele Republikaner wollen die Sache, die täglich Schlagzeilen macht, jedoch nicht über die Feiertage anstehen lassen; es ist daher durchaus möglich, dass eine solche Sitzung noch vor Weihnachten oder während der Feiertage stattfindet.

Sollte die Mehrheit der Senatoren auf einer Neuwahl bestehen, sind Lotts Tage als Fraktionsführer der Republikaner fast sicher gezählt. Nickles hat eine Reihe von Verbündeten: So wünscht sich etwa der altgediente Senator John Warner aus Virginia eine Klärung der Angelegenheit; auch Chuck Hagel aus Nebraska will eine Lösung "so bald wie möglich".

Vom Weißen Haus kann sich Lott keine Schützenhilfe erwarten - obwohl Präsident Bush gegen eine Absetzung Lotts ist. Übers Wochenende wurde auch bekannt, dass zwei schwarze Mitglieder der Regierung, Außenminister Colin Powell und Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, Lotts Bitte, ihn öffentlich zu verteidigen, abgelehnt haben.

Einige Republikaner befürchten ein Worst-Case-Szenario: Sollte Lott seine Position als Mehrheitsführer verlieren, könnte er in einer Kurzschlusshandlung auch seinen Posten als Senator zurücklegen - in diesem Fall könnte der demokratische Gouverneur von Lotts Heimatstaat Mississippi einen demokratischen Senator einsetzen. Das würde das Kräfteverhältnis im Senat drastisch verändern. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.12.2002)