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Bush beim Besuch von Reservisten, die nach den Anschlägen vom 11. September einberufen wurden

foto: reuters/macnamee
Bagdad/Washington - Der irakische Vizepremier Tarik Aziz hat US-Präsident George W. Bush als Heuchler bezeichnet, der die USA in eine feindselige imperialistische Politik treibe. Zugleich warf der Irak den USA und Großbritannien vor, mit ihren Bombardierungen in Irak bereits einen "unerklärten Krieg" zu führen. Die Inspektoren der UNO und der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO setzten am Sonntag ihre Kontrollen im Irak fort und durchsuchten mindestens drei Einrichtungen. Der irakische Ölminister Amir Muhammad Rashid erklärte, Bagdad werde voll mit der IAEO kooperieren und beweisen, dass es keine Massenvernichtungswaffen besitze. Aziz sagte in der amerikanischen Fernsehsendung "Fox News Sunday", Bush sei ein Heuchler, weil "ein wahrer Christ" kein Kriegshetzer sein und nicht die Zerstörung eines Landes und eines Volkes betreiben könne. Der Politiker wiederholte, dass die Inspektoren keine Massenvernichtungswaffen finden könnten, weil es im Irak keine gebe. Außerdem warnte er die USA, dass ihre Soldaten nicht mit Blumen, sondern mit Kugeln empfangen würden. Die USA würden auf erbitterten Widerstand treffen und viele Opfer haben. Der irakische Außenminister Naji Sabri forderte die UNO am Wochenende auf, "der Aggression Einhalt zu bieten". Er rechnete in seinem Schreiben an UNO-Generalsekretär Kofi Annan vor, dass britische und US-Flugzeuge den irakischen Luftraum binnen vier Wochen mehr als 1.140 Mal verletzt hätten. "Diese täglichen Verstöße ... und die barbarische Bombardierung irakischer Städte und Dörfer haben das Niveau eines unerklärten Krieges erreicht." Die Flugzeuge kontrollieren die Einhaltung der Flugverbotszonen im Norden und Süden des Landes, die die USA und Großbritannien nach dem Golfkrieg 1991 zum Schutz irakischer Minderheiten eingerichtet hatten. Die US-Armee teilte mit, am Samstag seien in der südlichen Zone Verteidigungseinrichtungen des Irak bombardiert worden, nachdem Patrouillenflugzeuge beschossen worden seien. Der Irak sagte, es seien zivile Ziele angegriffen worden. Der Irak werde mit den Inspektoren vollständig kooperieren und damit die USA und Großbritannien als Lügner entlarven, sagte Ölminister Rashid gegenüber Reuters. Der Irak habe absolut keine Massenvernichtungswaffen. Mit Blick auf die UNO-Bitte an die irakische Regierung, eine Liste von Wissenschaftlern und Experten vorzulegen, die mit den Waffenprogrammen des Landes zu tun haben, sagte Rashid: "Sie (die Inspektoren) werden viele Fragen haben. Wir werden damit umgehen." Chef-Inspekteur Hans Blix hatte am Donnerstag in einem Schreiben an die irakische Regierung nach der Liste verlangt. Diese soll Ende des Monats vorgelegt werden. Gespräche der Inspektoren mit an den irakischen Programmen Beteiligten sind in der verschärften UNO-Resolution 1441 vorgesehen, mit deren Hilfe die Abrüstung Iraks sicher gestellt werden soll. Der Irak war in der Resolution aufgefordert worden, seine Waffenprogramme lückenlos darzulegen und die UNO-Waffeninspektoren bei der Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak nicht zu behindern. IAEO-Chef Mohamed El Baradei dämpfte inzwischen die Erwartung schneller Ergebnisse bei den Irak-Inspektionen. Wegen der erhöhten US-Militärpräsenz am Golf riefen die USA Verteidigungskreisen zufolge 27.000 Reservisten auf, sich für einen Einsatz in der Heimat bereit zu halten. "Verteidigungsminister (Donald) Rumsfeld hat die Einberufung (der Reservisten) noch nicht angeordnet, aber die Truppen wurden alarmiert, sich bereit zu halten", hieß es. Die Soldaten sollen in den Häfen des Landes, bei Transporten und in technischen Bereichen eingesetzt werden. Großbritannien kündigte für Februar die Verlegung einesFlottenverbands in den Golf an.(APA/Reuters)