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Der Norden (links) schüttelt dem Süden (rechts) die Hände: Vertreter von Regierung und Rotem Kreuz treffen sich auf dem Berg Kumgang in Nordkorea

Foto: APA/AFP
Seoul - Im Streit um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm hat die Regierung in Pjöngjang den USA vorgeworfen, Hilfslieferungen als politisches Druckmittel zu missbrauchen. Die USA verhinderten humanitäre Hilfe mit allen möglichen Mitteln und politisierten diese sogar, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Montag einen Außenministeriumssprecher. Mit der Verknüpfung politischer und humanitärer Fragen versuchten Japan und andere US-Verbündete Druck auf Nordkorea auszuüben. Dies spreche gegen die Behauptung der USA, dass die Nuklearfrage nichts mit den Hilfsaktionen zu tun habe. Pjöngjang hatte in der vergangenen Woche angekündigt, ungeachtet des Abkommens mit den USA aus dem Jahr 1994 seine ausgeschalteten Atomanlagen wieder anzufahren und den Bau von Atomkraftwerken fortzusetzen. Die USA befürchten, dass diese Teil des nordkoreanischen Kernwaffenprogramms sein könnten. Mit ihren Verbündeten hatten sie zuvor dringend benötigte Heizöllieferungen an Nordkorea ausgesetzt. Im Oktober hatte Pjöngjang nach US-Angaben zugegeben, ein geheimes Programm zur Anreicherung von atomwaffentauglichem Uran zu betreiben. Nahrungsmittellieferungen wollen die USA laut einer früheren Mitteilung künftig von der Bereitschaft Nordkoreas abhängig machen, größere Landesteile für internationale Helfer zu öffnen und die Verteilung der Mittel transparenter zu machen. Nordkorea ist seit Mitte der neunziger Jahre nach einer Reihe von Naturkatastrophen und auf Grund von Misswirtschaft auf Nahrungshilfe von außen angewiesen. Nichtangriffspakt Zugleich hat Pjöngjang die USA erneut zur Unterzeichnung eines Nichtangriffspakts aufgerufen. Ein solches Abkommen sei der einzige Weg, einen Krieg auf der Halbinsel zu verhindern, schrieb das KP-Zentralorgan "Rodong Sinmun" am Montag. "Die koreanische Halbinsel steht an der Schwelle zum Krieg", heißt es in dem Artikel. Der südkoreanische Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Kim Dae Jung rief den Norden zu einer friedlichen Lösung auf. "Wir lehnen es ab, dass Nordkorea Atomwaffen besitzt, aber die Frage sollte nicht durch einen Krieg oder eine Stärkung des Systems aus dem Kalten Krieg gelöst werden", sagte Kim Dae Jung in Seoul. Der frühere US-Präsident Bill Clinton sieht in der nordkoreanischen Politik den Versuch, das atomare Potenzial als Druckmittel einzusetzen, um neue internationale Hilfen zu bekommen. Niemand könne wollen, dass Nordkorea Bomben herstelle und diese an den Höchstbietenden verkaufe, sagte Clinton am Sonntagabend in Rotterdam. Zu Beginn seiner Amtszeit drohte Clinton nach eigener Darstellung Nordkorea mit einem Militärschlag. Die Regierung in Pjöngjang habe damals Pläne verfolgt, jährlich sechs bis acht Atombomben zu bauen, sagte Clinton. Überschattet vom Streit über das nordkoreanische Atomprogramm haben Pjöngjang und Seoul am Montag den innerkoreanischen Dialog wieder aufgenommen. Aus Seoul reisten zwei Teams mit Vertretern der Regierung und des Roten Kreuzes zu dem Treffen auf dem Berg Kumgang nach Nordkorea. Nach eigenen Angaben wollten sie mit der nordkoreanischen Seite über die angekündigte Wiederinbetriebnahme der nordkoreanischen Atomanlagen sprechen. Nach südkoreanischen Medienberichten sollte es bei den dreitägigen Gesprächen aber vor allem um Familienzusammenführungen und Fragen des Grenzverkehrs gehen. Die Frage der Familientreffen wurde von Vertretern des Roten Kreuzes aus beiden Ländern erörtert, während Regierungsvertreter über den Wiederaufbau von Straßen- und Zugsverbindungen zwischen dem Norden und dem Süden berieten. (APA/dpa)