Washington - Die USA wollen an diesem Donnerstag offiziell auf den irakischen Rüstungsbericht antworten. Wie das Weiße Haus in Washington am Mittwoch mitteilte, sollen Außenminister Colin Powell und UN-Botschafter John Negroponte die entsprechende Erklärung abgeben. Am Donnerstag will auch UN-Chefwaffeninspektor Hans Blix dem Sicherheitsrat in New York eine erste Bewertung des Berichts aus Bagdad vortragen.

Bush und Powell "besorgt"

Der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, hatte am Mittwoch bereits mitgeteilt, dass Präsident George W. Bush den Bericht für unvollständig hält und deshalb "besorgt" sei. Dem pflichtete am frühen Nachmittag auch Außenminister Powell bei, der den Beicht als "problematisch" deklarierte.

"Keine einseitigen Aktionen"

US-Außenminister Colin Powell hat versichert, dass die USA trotz der "Mängel" im irakischen Waffenbericht keine einseitigen Aktionen planen. Bei einem halbjährlichen Meinungsaustausch mit einer ranghohen Delegation der Europäischen Gemeinschaft (EU) versicherte Powell am Mittwoch in Washington, die USA würden das weitere Vorgehen gegen Bagdad mit dem Weltsicherheitsrat abstimmen.

"Wir werden mit unseren Partnern im Sicherheitsrat beim weiteren Vorgehen zusammenarbeiten, wir werden im Rahmen der UNO bleiben", sagte der US-Minister. Zuvor hatte der dänische Außenminister und derzeitige EU-Ratsvorsitzende Per Stig Möller betont, dass es für die Gemeinschaft "sehr wichtig ist, dass weitere Entscheidungen durch den Sicherheitsrat getroffen werden". Mit Powell sprachen außerdem der Beauftragte für die Außen- und Sicherheitspolitik der EU, Javier Solana, und der EU-Kommissar für Außenbeziehungen, Chris Patten.

Auf der Tageordnung des Treffens standen außer dem Thema Irak auch die geplante EU-Erweiterung, die angespannte Lage in Venezuela, der Nahostkonflikt und der Anti-Terror-Krieg. Zur Sprache kam dabei auch eine neue Vereinbarung über einen verbesserten Informationsaustausch zwischen dem US-Justizministerium und Europol, die an diesem Freitag unterzeichnet werden soll.

Die Europäer versuchten in Washington, amerikanische Besorgnisse über den neuen Handelsdialog der EU mit dem Iran auszuräumen. Möller unterstrich, der Dialog stehe in einem Zusammenhang mit politischen und Menschenrechtsfragen. Eine Ausweitung des Handels wäre der beste Weg, die Reformkräfte in Teheran zu stärken. Die USA seien besonders über die Unterstützung des Terrorismus durch den Irak und die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen besorgt, sagte Powell.

Powell sagte außerdem, er erwarte vor den israelischen Wahlen in rund einem Monat kaum konkrete Fortschritte bei der Lösung des israelisch-palästinensischen Konfliktes. Das so genannte Quartett aus USA, EU, UNO und Russland werde aber an diesem Freitag in Washington dennoch weiter an einem "Fahrplan" zu einer Friedenslösung arbeiten, kündigte Powell bei dem Treffen an. "Ein Fahrplan ist notwendig, um voranzukommen." Die Wahlen in Israel sollen am 28. Jänner statt finden.

(APA/dpa/Reuters)