Los Angeles - Eine Statistik entlarvt Forscher als schlampige Berichterstatter. Demnach würden sie bei ihren wissenschaftlichen Publikationen Kollegen, auf deren Arbeit ihre Ergebnisse basieren, in der Literaturliste zwar angeben, die Originalarbeit aber kaum lesen. Diese Entdeckung machten die Forscher Vwani Roychowdhury und Mikhail Simkin von der University of California/Los Angeles im Zuge einer Untersuchung, wie sich Informationen über verschieden Netzwerke ausbreitet. Der Ratschlag der Forscher: Zuerst lesen, dann zitieren.

In einer Zitat-Datenbank stellte das Forscherduo fest, dass beim Zitieren häufig Druckfehler auftraten und diese meistens identisch waren. Dies legte nahe, dass viele Wissenschaftler eine "Abkürzung" vornehmen, also die Literaturreferenzangabe von einer anderen wissenschaftlichen Arbeit (einem "Paper") kopieren und den Quelltext nicht lesen. Simkin und Roychowdhury gingen darauf hin der Frage nach, wie häufig derartige Abkürzungen sind und untersuchten eine 1973 veröffentlichte Arbeit. Wie sich herausstellte, wurde das Paper 4.300 Mal in anderen wissenschaftlichen Arbeiten zitiert. Unter diesen 4.300 Verweisen waren 196 fehlerhafte Zitate. Prinzipiell wären unsagbar viele von Fehlern möglich gewesen, aber es waren lediglich 45 verschiedene. Der populärste Fehler erschien sogar 78 Mal, berichtet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist".

Ausbreitung von Fehlern

Es scheint demnach so zu sein, dass 45 Wissenschaftler den Artikel tatsächlich gelesen haben. Beim Zitieren machten sie Fehler und 151 andere Wissenschaftler übernahmen diese Fehler. Demnach haben laut den US-Detektiven bis zu 77 Prozent der Forscher die Originalarbeit nicht gelesen.

Man könnte davon ausgehen, dass die Lage bei denjenigen, die richtig zitierten, anders ist. Mit nichten, behaupten Roychowdhury und Simkin. Ein eigens entwickeltes Modell zur Ausbreitung von Fehlern konnte die beobachtete Häufigkeit der einzelnen Fehler nur dann erklären, wenn 78 Prozent aller Zitate inklusive den richtigen, mit "copy and past" von einer Sekundärquelle übernommen wurden. Das Problem ist aber nicht für diese 1973 veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit spezifisch, erklären die Forscher. Ähnlich fielen die Ergebnisse anderer sehr berühmter Arbeiten aus. "Anscheinend vertrauen Forscher anderen Wissenschaftler so sehr, dass die wesentliche Aussage der Arbeit bedenkenlos übernehmen", schreiben die Forscher. Simkin und Roychowdhury versprechen, dass sie alle in ihrem Paper zitierten Arbeiten auch tatsächlich gelesen haben – inklusive Sigmund Freuds "Zur Psychopathologie des Alltagslebens".(pte)