In der Vorwoche noch erhielten jene Kunden der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, die sich über die Einführung zusätzlicher Bankomatgebühren aufregten, einen Brief zugesandt, in dem stand: "Wir bitten Sie zu verstehen, dass wir bei dieser Gebühr keinerlei Verhandlungsspielraum haben." Am Montag war dann alles wieder anders und der Plan, der angeblich unverrückbare, war schon wieder weg. Die gesamte Aktion war ein Beispiel für ein noch zu schreibendes Lehrbuch: "Zerstören Sie die Arbeit von x Jahren in nur x Sekunden - schlechte Öffentlichkeitsarbeit, leicht gemacht".

In süßem Marketingsprech formuliert bekamen Kunden der RLB Anfang Dezember mitgeteilt, man stelle nun die Girokonten auf drei neue Pauschalpreise um und habe "für Sie das günstigste Paket gewählt". Abgesehen davon, dass man es sich nicht selbst aussuchen konnte: Im netten Brief stand kein Wort über die neuen, saftigen Bankomatgebühren, die fand man im "beiliegenden Folder", so man genau nachschaute. Dummerweise waren auch Wirtschaftsjournalisten unter den Adressaten, die schauten nach und orgelten die Geschichte durch alle Medien.

Was die Wiener Banker unter dem Giebelkreuz nun veranlasste, die Sache - blamabel - wieder abzublasen. Und in einem Atemzug zu betonen, dass jetzt eben bei der Werbung eine Million Euro eingespart werden müsste, weil sich die "Preisstrategie auf Basis der Kostenwahrheit" nicht durchsetzen ließ. Bei nicht wenigen Medienleuten blieb - auch wenn jeder Zusammenhang natürlich sofort dementiert wurde - im Nachhinein der Eindruck, dass dies nichts anderes bedeutet habe als: "Wenn ihr Journalisten uns die Preise nicht erhöhen lasst's, dann machen wir halt weniger Werbung bei euch." Die Sache könnte noch zu einem ganzen Kapitel im Lehrbuch anwachsen. (DER STANDARD, Printausgabe 17.12.2002)