Washington - Frauen reagieren schneller und heftiger auf Schmerz als Männer. Ein entscheidender Grund für das unterschiedliche Empfinden liegt nach Auskunft von US-Forschern im Eiweißstoff GIRK2. Er spiele eine wichtige Rolle bei der Kommunikation zwischen den Nervenzellen im Gehirn, berichten die Wissenschafter in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) vom Dienstag.

Mäuseversuche

Igor Mitrovic und Kollegen von der Universität von Kalifornien in San Francisco züchteten gentechnisch veränderte Mäuse, in denen GIRK2 ausgeschaltet war. Ohne dieses Protein reagierten männliche Mäuse plötzlich genauso empfindlich auf schmerzhafte Einwirkungen wie weibliche. Bei den weiblichen Tieren entdeckten die Forscher dagegen keine Veränderung in ihrer Schmerzsensibilität.

In weiteren Versuchen testeten Mitrovic und Kollegen die Reaktion der Nager auf schmerzstillende Mittel mit Morphin und Clonidin. Dabei zeigte sich, dass die Mäuse ohne GIRK2 weniger auf beide Arten von Schmerzmitteln ansprachen.

Bestätigung

Ähnliche Ergebnisse brachten Versuche an der Universität von Texas in Austin, die ebenfalls in den PNAS erscheinen. Sie untersuchten den Effekt von Alkohol, Nikotin und Cannabinoiden, den aktiven Bestandteilen von Marihuana, bei Tieren ohne den Eiweißstoff GIRK2. Auch hier reagierten männliche Tiere auf einmal - genauso wie die weiblichen - sehr viel empfindlicher auf Drogen. Beide Studien zusammen zeigen, dass das Protein die Reaktion auf Drogen und andere Mittel entscheidend beeinflusst und deshalb bei der Entwicklung neuer wirksamerer Schmerzmedikamente eine wichtige Rolle spielen dürfte.(APA/dpa)