Die außergerichtlichen Vergleichsverhandlungen im Streit über eine Forderung von 767 Millionen Euro des Axel Springer Verlags gegen die insolvente KirchMedia sind vorerst gescheitert. Nun droht ein jahrelanger Rechtsstreit. "Ein außergerichtlicher Vergleich ist nicht zu Stande gekommen", sagte ein KirchMedia-Sprecher am Montagabend. Aus verhandlungsnahen Kreisen hieß es, die beiden Parteien hätten sich nicht über die Höhe der Vergleichszahlung von KirchMedia an Springer einigen können. Nun fällt das Münchner Landgericht am Dienstag eine Entscheidung. Auch danach seien noch Verhandlungen über eine gütliche Einigung möglich, betonte der KirchMedia-Sprecher. Eine Sprecherin des Springer-Verlags wollte sich vor dem Gerichtsurteil nicht zu dem Sachverhalt äußern.

Springer hatte Anfang des Jahres eine Option zum Verkauf seines 11,5-prozentigen Anteils an dem TV-Konzern ProSiebenSat.1 an die Kirch-Gruppe ausgeübt, was Kirch zur Zahlung von 767 Millionen Euro verpflichtete. Die Kirch-Gruppe, deren tragende Gesellschaften mittlerweile Insolvenz angemeldet haben, hat die Rechtmäßigkeit der Option bisher bestritten. Das Münchener Landgericht hatte den Kontrahenten bis zum 17. Dezember Zeit für eine außergerichtliche Einigung gegeben.

Verhandlungsnahen Kreisen zufolge hatten Springer und KirchMedia über eine Lösung gesprochen, bei der das Hamburger Verlagshaus einen zweistelligen Millionenbetrag erhalten sollte, dafür aber einen jahrelangen Rechtsstreit vermieden hätte. Den Betrag hätte Springer für eine Aufstockung seiner Anteile an ProSiebenSat.1 um 16,5 Prozent auf 28 Prozent nutzen können. In Verlagskreisen hieß es, Springer könne die Aufstockung aber auch ohne eine Vergleichszahlung von KirchMedia finanzieren.

Springer-Chef Mathias Döpfner hatte in der Vergangenheit immer wieder erklärt, entweder ein strategisches Engagement bei dem TV-Konzern erreichen zu wollen, oder sich ganz aus dem Fernsehgeschäft zurückzuziehen. Weitere Verhandlungen mit KirchMedia nach dem Gerichtsurteil wurden auch in Springer-Kreisen nicht ausgeschlossen. Den Betrag, den Kirch bisher als Ausgleichszahlung geboten habe, sei aber nicht akzeptabel gewesen. Selbst wenn die Forderung von 767 Millionen Euro im Insolvenzverfahren nur anteilsmäßig berücksichtigt werde, liege diese Summe voraussichtlich immer noch höher als das Angebot von KirchMedia, hieß es. Springer sei jedenfalls bereit, den Rechtstreit über die Instanzen auszufechten. (APA/Reuters/dpa)