Wien - "Die Zwischenbilanz ist noch nicht zufrieden stellend, die Endbilanz wird aber besser ausschauen", so fasst Peter Voithofer vom Institut für Gewerbe- und Handelsforschung (IfGH) den bisherigen Ablauf des Weihnachtsgeschäftes im österreichischen Handel zusammen. Nominell minus sechs Prozent Umsatz im Schnitt ergab eine Umfrage des IfGH unter 300 heimischen Einzelhändlern aller Branchen. Voithofer sieht noch Chancen, dass sich bis zum 24. Dezember das Minus auf zwei bis drei Prozent verkleinern könnte.

Die ursprüngliche Hoffnung der Handelsfunktionäre in der Wirtschaftskammer, dass man nach einem desaströsen Jahr zumindest im Weihnachtsgeschäft das Vorjahresergebnis von 1,45 Milliarden Euro halten wird können, dürfte sich trotz allem aber nicht erfüllen.

Doch die Hoffnung auf einen Last-Minute-Kaufrausch sei begründet, hieß es bei der Zwischenbilanz-Pressekonferenz am Dienstag in Wien: Der 8. Dezember war im Vorjahr der umsatzstärkste Tag, heuer fiel er auf einen Sonntag, daher würden sich Ausgaben "nach hinten" verlagern. Auch die wegen des anfangs relativ warmen Wetters heuer früh wie nie aufgekeimte Rabattitis vor allem der Modehändler - mancherorts waren Abschläge von bis zu 70 Prozent zu sehen - könnte in letzter Minute noch etwas bringen.

"Heuer sehr günstig"

Erich Lemler, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich und selbst Inhaber einer Herrenboutique in Judenburg: "Beim Wert und bei den Stückzahlen sind wir auf Vorjahresniveau, wegen der Nachlässe aber nicht beim Umsatz." Für die Konsumenten sei das "gut, denn sie können heuer die Geschenke sehr günstig kaufen", versucht sich Lemler in Kaufstimulation.

Für die Händler, warnt Voithofer, könnte manche Schleuderei aber existenzgefährdend werden, da die ohnehin schmalen Umsatzrenditen im Handel - im Vorjahr waren es im Durchschnitt 0,6 Prozent - durch die Preisabschriften den Ertrag überhaupt auslöschen könnten. Ein differenzierterer Blick auf die Umfrageergebnisse zeigt, dass 19 Prozent der ausgewerteten Outlets beim Umsatz zu- legen konnten, 15 Prozent auf Vorjahresniveau lagen und die restlichen zwei Drittel - noch - hinten nachhängen.

Buchhandel legt zu

Nach Branchen aufgesplittet erweist sich der Buchhandel bisher als der einzige Gewinner. Laut Voithofer würden hingegen Schuh- und Sportartikelhandel voraussichtlich kaum noch Chancen haben, das bisherige Minus wettzumachen. Der Sportartikelhandel leidet neben der anfangs nicht so guten Schneelage auch darunter, dass mit den Neuheiten "Soft Skiboots", "Ladycarver" und "Snowdecks" (einer Art Skateboard für den Schnee) heuer keine wirklichen Frequenz- und Umsatzbringer im Rennen sind. Ansonsten gefragt: weiterhin digitale Unterhaltungselektronik, weiters Silber-, Stahl- und Weißgoldschmuck. Der Spielwarenhandel liegt zwar auch noch im Minus, erlebt heuer eine Renaissance klassischer Spielzeuge wie der Brettspiele, Carrera-Autorennbahnen, Lego-Bausteinen, Barbie-Puppen und Playmobil-Figuren, berichtet die Branche.

Der Buchhandel profitiere vor allem durch Kochbücher, wird berichtet. "Absolute Hits" seien unter anderem Werke von Plachutta/Wagner ("Die Gute Küche - 2. Teil") oder Jamie "Naked Chef" Olivers "Genial Kochen mit Jamie Oliver". Im Gesamtjahr wird mit plus 3,5 Prozent gerechnet. (szem, DER STANDARD, Printausgabe 18.12.2002)