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Foto: EPA/Paul J. Richards

Der Film, den die ARD Mittwoch um 21.55 Uhr ausstrahlt, geht unter die Haut: Der irische Journalist Jamie Doran hat Beweise dafür zusammengetragen, dass im November 2001 in der Nähe der afghanischen Stadt Mazar-e Sharif Hunderte gefangene Taliban ermordet wurden. Von 8000 Taliban-Anhängern sind 3000 verschwunden. Ihre Leichen, so ergab Dorans Spurensuche, liegen in einem Massengrab in der afghanischen Wüste bei Dasht Leili.

Dorans Botschaft ist bedrückend: Die US-Regierung habe die Tötung von Taliban-Anhängern durch die Krieger der Nordallianz nicht nur gebilligt, sondern das Massaker sei sogar "unter den Augen" von US-Soldaten geschehen - was die Bush-Regierung vehement bestreitet. "Wir können belegen, dass das Pentagon gelogen hat", sagt Doran. Die ARD hat den Titel des Films "Das Massaker in Afghanistan - haben die Amerikaner zugesehen?" dennoch mit einem Fragezeichen versehen.

Bei den Dreharbeiten wurde Doran sowohl von der US-Armee als auch vom afghanischen Warlord Rashid Dostum massiv behindert. Das Gesicht der Zeugen, die Doran interviewt hat, sind im Film unkenntlich gemacht, die Stimme verzerrt. Dennoch wurden zwei von ihnen inzwischen ermordet. Sie sagten aus, dass bei Erschießungen US-Soldaten anwesend waren.

Dorans Recherchen haben schon etwas bewirkt: Die UN hat eine Untersuchung angeordnet, der Menschenrechtsausschuss des deutschen Bundestags sieht sich den Film in einer Extraaufführung an. (afs/DER STANDARD, Printausgabe vom 18.12.2002)