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Montage/Fotos:Reuters

Wien - "Teuro" ist das österreichische Wort des Jahres 2002. Das hat die Wahl einer Fachjury rund um Univ.-Prof. Rudolf Muhr vom Institut für Germanistik der Universität Graz in Kooperation mit der Austria Presse Agentur ergeben.

An der Auswahl haben sich via Internet Journalisten und Private beteiligt. Zum "Unwort 2002" wurde der "Rücktritt vom Rücktritt" gekürt. Erstmals wurde auch ein "Spruch des Jahres" ermittelt - das zu einem geflügelten Wort avancierte "Bin schon weg - bin schon wieder da!".

Teuro

Der "Teuro" sei zwar bereits 2001 aufgetreten, habe aber seine besondere Wirkung mit der endgültigen Euro-Einführung erst heuer entfaltet, hielt die Jury fest. Für die Wahl zum Wort 2002 waren drei Gründe ausschlaggebend: Es handelt sich um ein Neuwort (Neologismus), das aus der Verbindung von "teuer" und "Euro" entstanden ist. Das Wort habe "eine besondere sprachliche Qualität", weil es "auf kürzestmögliche Weise" die allgemein empfundene Verteuerung ausdrücke und gleichzeitig ein Wortspiel mit "Euro" bildet, das nur im Deutschen möglich ist.

Zudem wurde es von den Internetwählern mit großem Abstand vor alle anderen Kandidaten gereiht, "was vermuten lässt, dass sowohl das gesellschaftliche Problem der Verteuerung als auch die sprachliche Formulierung als herausragend angesehen wurde". "Möglicherweise wird uns der Euro in einiger Zeit aber noch in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes lieb und teuer (ahd. tiuri, nhd. teuer: = wertvoll, dauerhaft)", merkte die Jury an.

"EU-Erweiterung"

Auf Platz 2 als Wort des Jahres landete die "EU-Erweiterung" auf Grund der historischen Dimension des Beschlusses zur Aufnahme von zehn weiteren Mitgliedstaaten. "Darüber hinaus hat das Wort auch einen österreichspezifischen Aspekt, da die Unterstützung des Erweiterungsprozesses innerhalb der früheren Bundesregierung äußerst kontroversiell diskutiert wurde und ein innenpolitisches Streitthema darstellte, das maßgeblich zu den Neuwahlen beigetragen hat", so die Begründung der Jury.

"Nullerinnerung"

Platz 3 nimmt das Wort "Nullerinnerung" ein, "eine kreative Neu- und Parallelschöpfung eines österreichischen Journalisten - in Analogie zu 'Nulldefizit' (das österreichische Wort des Jahres 2001). Vom sprachlichen Standpunkt aus ist es eine prägnante Neubildung, die in ironischer und ambivalenter Weise die Vergesslichkeit der österreichischen Wählerinnen und Wähler deutlich macht, die trotz der sozialen Einsparungen sowie schmerzhafter wirtschaftlicher und steuerlicher Belastungen eine Partei mit einem hohen Wahlsieg belohnt hat, die diese Politik federführend vorantreibt", heißt es in der Begründung für die Auswahl.

Das Unwort 2002 - "Rücktritt vom Rücktritt"

Beschreibt "in treffender Weise die Folgenlosigkeit des öffentlichen Handelns von Politikern und den Verlust an Ernsthaftigkeit im politischen Geschehen. Wie die Ereignisse im heurigen Jahr gezeigt haben, gelang einem Politiker fünf Mal der Rücktritt vom Rücktritt, "was in dieser Vielzahl ein singuläres Ereignis darstellt", so die Jury.

Das Wort sei auch gewählt worden, "weil ein Rücktritt in der österreichischen Politik eher selten ist und der Rücktritt vom Rücktritt diese Seltenheit wieder als solche bestätigt". Drittens ermögliche er es "dem Betreffenden, folgenlos Aufmerksamkeit zu erregen. So gesehen ist dieses Zurücktreten gleichzeitig wieder ein Vortreten, und darum scheint es zu gehen. Die öffentlich-rechtliche Inszenierung".

Unwort - "Schurkenstaat"

Auf Platz 2 landete der "Schurkenstaat". Die Jury betrachtet dieses Wort als klassisches Unwort, "weil damit erstmals seit dem 2. Weltkrieg wieder ganze Staaten als kriminelle Einheit bezeichnet werden". Der Ausdruck verweise auf die Rückkehr kolonialer und imperialistischer Denkweisen.

Unwort - "Rückkehrberatung"

Den 3. Rang nimmt die "Rückkehrberatung" ein. Der Charakter als Unwort sei vor allem dadurch gegeben, "dass es sich um einen klassischen Euphemismus (verhüllendes, schönfärberisches Wort) handelt, der einen problematischen Sachverhalt positiv und gegensätzlich zur eigentlichen Sache darstellt", meint die Jury. "Das Wort unterstellt, dass jemand bei der Rückkehr (in sein Heimatland) beraten wird, dabei eine gewisse Hilfe und mehrere Alternativen zur Verfügung gestellt bekommt. Tatsächlich besteht die 'Hilfe' vor allem darin, dass diese Personen gedrängt werden, mit einem Handgeld versehen in ihre Heimatländer zurückzukehren, wo ihnen jede Existenzgrundlage fehlt."

Spruch des Jahres

Der Spruch des Jahres "Bin schon weg - bin schon wieder da!" sei in Österreich bereits zu einem geflügelten Wort geworden. Der Satz sei "in doppelter Weise ironisch, da die Formulierung 'Bin schon weg!' im alltäglichen Sprachgebrauch dann verwendet wird, wenn jemand noch da ist, aber bereits beim Gehen begriffen und damit einen Vorgriff auf Künftiges ausdrückt. Der besagte Politiker hat es aber geschafft, das künftige Wegsein bereits beim Weggehen durch gleichzeitiges Zurückkommen aufzuheben", diagnostizierte die Jury.

Die Auswahl der Wörter

Das Prozedere der Wort-Wahl: Erstmals war eine Vorwahl durchgeführt worden, an der 450 Personen teilnahmen und Vorschläge an die Jury sandten. Daraus wurden zusammen mit aus Recherchen in der APA-Datenbank AOM (APA Online Manager) gewonnenen Wörtern (insgesamt 50) von der Jury jeweils zehn Kandidaten für das Wort und Unwort ausgewählt und zur Wahl gestellt. An der Wahl selbst haben sich 600 Personen beteiligt, insgesamt also 1.050. Der Spruch des Jahres kam auf Grund der Vorschläge der Internetwähler zu Stande. (APA)