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Glücklich am Arbeitsmarkt erscheinen Frauen meist nur in der Werbung - die Realität sieht anders aus (Foto: Office Werbung einer Computerfirma)
Foto: APA/dpa/Roland Scheidemann

Wien - Atypische Beschäftigung - seit Jahren im Steigen, vom Großteil der Betroffenen aber nicht freiwillig gewählt, sondern auf Grund der Situation am Arbeitsmarkt. Zumindest gaben dies die Befragten in einer Untersuchung des ÖGB an. Vor rund einem Jahr hat der Gewerkschaftsbund ein Beratungs- und Forschungsprojekt mit dem Namen "flexPower" gestartet. Angeboten werden etwa Beratung in Vertrags-, Steuer- und Sozialrecht und eine Verdienstentgangsversicherung.

Keine Beschäftigungsart ausgenommen

Speziell untersucht wurde im Rahmen des ÖGB-Forschungsprojekts die Situation Freier Dienstnehmer und Neuer Selbstständiger. Von den fast 900 Personen, die die Beratung des ÖGB aufsuchten, nahmen 528 an der Untersuchung teil. Dabei habe sich gezeigt, dass keine Branche bzw. Tätigkeit mehr von dieser Art von Beschäftigung ausgenommen ist, betonte Elisabeth Rolzhauser, Leiterin von "flexPower", am Dienstagabend bei einem Hintergrundgespräch. So gibt es etwa auch schon Krankenschwestern als Neue Selbstständige.

Bestqualifizierte Frauen

Auffallend in der Untersuchung ist der sehr hohe Anteil von Personen mit akademischer Qualifikation. So haben 45,8 Prozent der befragten Frauen einen Fachhochschul- oder Universitätsabschluss. Diese Frauen seien bestqualifiziert und hätten trotzdem am "normalen Arbeitsmarkt" keine Chancen, so Rolzhauser.

Fast 58 der Befragten gaben an, dass sie das atypische Beschäftigungsverhältnis gewählt haben, weil sie durch die Arbeitsmarktsituation dazu gezwungen wurden. In Gesprächen sei vielfach erklärt worden, dass sie "keine andere Wahl haben", weil sie keine reguläre Beschäftigung finden könnten, betonte Rolzhauser. Die Zufriedenheit mit der atypischen Beschäftigung sei daher auch vielfach nicht vorhanden. So sehen rund 70 Prozent Probleme in Bezug auf ihre soziale Absicherung. Sorgen haben die Befragten vor allem in Hinblick auf einen möglichen Krankheitsfall, Arbeitslosigkeit, die Pensionsvorsorge oder auch einen Unfall. Fast die Hälfte der Befragten strebt daher auch einen normalen Dienstvertrag an, Frauen noch stärker als Männer.

Durchschnittliche Gehälter

Ein Kennzeichen von Werkverträgen und Freien Dienstverträgen ist auch das unregelmäßige Einkommen. So gaben 63 Prozent der Befragten Einkommensschwankungen an. Das Netto-Durchschnittseinkommen der Befragten beträgt insgesamt rund 910 Euro im Monat. Frauen liegen auch hier mit 827 Euro unter dem Gehalt von Männern mit 1.044 Euro.

Verlangt wird daher vom ÖGB die Schaffung eines Arbeitnehmerbegriffs, der nur auf der wirtschaftlichen Abhängigkeit beruhe, so Rolzhauser. Für so genannte Umgehungsverträge fordert der Gewerkschaftsbund gesetzliche Sanktionen. Unternehmen müssten die gesetzlichen Bestimmungen einhalten und tatsächliche Dienstverhältnisse nicht mittels Werkvertrag oder Freiem Dienstvertrags umgehen, heißt es.

Ziel des ÖGB sei zudem die soziale und arbeitsrechtliche Absicherung der selbstständigen und Freien Dienstnehmer, erklärt Rolzhauser. Derzeit gibt es für sie keinen Kollektivvertrag, sie haben somit auch keinen Anspruch auf Weihnachts- und Urlaubsentgelt und kein geregeltes Mindesteinkommen. Sie sind nicht arbeitslosenversichert und haben keinen Anspruch auf Krankengeld oder sonstige Entgeltfortzahlung.

Der ÖGB bietet jedenfalls derzeit neben der Beratung für Freie Dienstnehmer und Neue Selbstständige in Zusammenarbeit mit der Wiener Städtischen eine Verdienstentgangsversicherung an. (APA)