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Klaus Kröll fliegt dem Ziel entgegen.

Foto: Reuters/ Pratta

Klaus Kröll, im Mittwoch-Training 55., war zuletzt Abfahrtszweiter in Val d'Isère. Hinter Stephan Eberharter. Eberharter, der im Vorjahr im Grödnertal die zweite Abfahrt gewann - die erste holte sich Kristian Ghedina, seither vierfacher Sieger hier -, fehlt heuer auf der Saslong, arbeitet an seinem Comeback. Nicht nur angesichts dieser Tatsachen ist Kröll hier zum engeren Favoritenkreis zu zählen. Der Steirer sieht das auch so.

Zuseher

Kröll (22) platzte im Vorjahr unversehens hinein in die Abfahrtselite, die größtenteils aus Routiniers besteht. Ein zweiter Rang im Abfahrtseuropacup bescherte ihm einen Startplatz. Er schaffte einige Top-Ten-Plätze, etwa einen vierten in Bormio und einen fünften in St. Moritz, damit wird man noch nicht wirklich berühmt im österreichischen Abfahrtsteam, aber sie nahmen ihn sogar mit zu den Olympischen Spielen nach Salt Lake City, wo er dann freilich nur Zuseher war.

Super-G fahren kann er auch, für Rang zehn in Kitzbühel mit Nummer 47 gab's den "winstar", einen von Weltcup-Sponsor Winterthur ausgelobten Preis (50 Gramm Gold), der erfolgreichen Spätstartern gebührt. In Kitzbühel kam er übrigens nur deshalb ins Team, weil sich Pepi Strobl im Abfahrtstraining verletzte. Kröll stürzte zwar auch an derselben Stelle, blieb aber unversehrt. Seinen heurigen Stammplatz besitzt er deshalb von Beginn an, weil Hermann Maier und Christian Greber fehlen.

Gatschhupfer

Kröll, früher Stemmer beim diesbezüglichen Klub daheim in Öblarn, dessen Kraftkammer er auch heute noch recht regelmäßig besucht, Absolvent der Skihandelsschule Schladming, wurde von einer groben Verletzung der Weg gewiesen: offener Unterschenkelbruch beim Abfahrts-Training am Hintertuxer Gletscher im Sommer 1996. In der einjährigen Pause verpasste er den Anschluss im Riesenslalom. "In der Abfahrt ist es leichter, wieder aufzubauen." Zudem taugt ihm das Tempo. "Ich bin mit dem Mountainbike den Berg immer nur deshalb hinaufgefahren, damit ich schnell wieder runterfahren kann." Jetzt ist er häufig mit der Motocross-Maschine als Gatschhupfer unterwegs, Öblarn hat auch dafür einen Klub und eine Strecke.

Angst? "Ist in der Abfahrt fehl am Platz. Respekt ist gut, aber wenn du Angst hast, liegst' im Netz." Darüber, dass ihm Armin Assinger den Spitznamen Rambo verpasst hat, lachen sie aber daheim in Öblarn bestenfalls. Sagt Kröll. Dafür begleiten sie ihn überall hin, der Fanklub hat 187 Mitglieder, seine Oma ist dabei, Chef ist der Bruder, im Vorjahr fuhren sie 40.000 Kilometer, ließen kein europäisches Rennen aus, waren der einzige Fanklub in Kvitfjell, 115 schmückten Kitz, in Gröden gibt's einen Rekordversuch.

"Ich will rennfahren"

Im Vorjahr ist Kröll erstmals hier gefahren, im ersten Rennen hat es ihn fast gebirnt, im zweiten wurde er 17. Der hohen Nummer wegen war's rumplig, heuer kommt er früher dran. Heute steigt das Qualifying. "Ich weiß aber gar nicht, wie ich das anlegen soll. Taktieren interessiert mich nicht, ich will rennfahren." (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 19. Dezember 2002, Benno Zelsacher)