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London/Vevey - Die britische Entwicklungsorganisation Oxfam hat den multinationalen Nahrungsmittelkonzern Nestlé wegen einer Millionenforderung an Äthiopien kritisiert. Das Unternehmen verlange vom ärmsten Land der Welt sechs Millionen Dollar (5.8 Millionen Euro) als Entschädigung für die Verstaatlichung eines Unternehmens durch die frühere Militärregierung im Jahr 1975. Nestlé sollte die Forderung fallen lassen und darüber nachdenken, wie das Geld zur Bekämpfung der Hungersnot eingesetzt werden könne, sagte Oxfam- Sprecherin Sophia Tickell der Zeitung "The Guardian" (Donnerstag).

Nestlé-Sprecher Francois-Xavier Perroud wies die Vorwürfe als unfair zurück. Es handele sich um laufende Verhandlungen, die von der äthiopischen Regierung ausgegangen seien. "Außerdem wird jeder Betrag, den wir aus den Verhandlungen erzielen werden, in vollem Umfang für eine auf lange Frist gesehen lebensfähige Investition in Äthiopien eingesetzt", sagte Perroud auf Anfrage. Er kritisierte, dass sich Oxfam zu diesem Zeitpunkt der Verhandlungen mit diesen Vorwürfen äußere, ohne mit dem Konzern Kontakt aufgenommen zu haben.

Die äthiopische Regierung in Addis Abeba habe sich bereit erklärt, einen Betrag von 1,5 Millionen Dollar zu zahlen, sagte Tickell. Nestlé beharre aber auf seiner Forderung.

Oxfam erklärte, Nestlé verlange eine Kompensation für eine Firma, die vor 27 Jahren verstaatlicht worden sei und die zu diesem Zeitpunkt gar nicht zu Nestlé gehört habe. In Äthiopien seien elf Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Der Konzern sei hochprofitabel und weise einen acht Mal höheren Gesamtumsatz als das äthiopische Bruttoinlandsprodukt auf. Nestlé sei nicht auf die sechs Millionen Dollar angewiesen. Perroud verwies darauf, dass der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern "wie immer positiv auf eine Anfrage der äthiopischen Regierung antworten wird, wenn man von uns eine Hilfe wünscht, um den Nahrungsmangel in dem Land zu bekämpfen". (APA/dpa)