Von Ute Woltron

New York - Die für die Neubebauung von Ground Zero verantwortliche Lower Manhattan Development Corporation (LMDC) hat erste konkrete Entwürfe für das durch den Terroranschlag vom 11. September 2001 verwüstete Areal im Süden Manhattans vorgestellt. Die sieben Architektenteams, die nun ausgefeilte Vorschläge für den Wiederaufbau präsentieren, waren im Herbst aus einem viel beachteten internationalen Bewerbungsverfahren hervorgegangen, nachdem im Sommer erste nicht architektonische Baumassen-Studien von der Bevölkerung New Yorks energisch als zu investorenlastig abgelehnt worden waren.

Die nun vorliegenden Entwürfe stellen allerdings lediglich eine Art Ideenpool für den künftigen Letztentwurf dar, denn die Erstellung des endgültigen Masterplans, der bereits bis 31. Jänner kommenden Jahres vorliegen soll, will sich die LMDC als Hauptinvestorin nicht aus der Hand nehmen lassen. Es darf angenommen werden, dass diverse Ideen der Architekten aufgegriffen und miteinander verschmolzen werden, dass also die Beauftragung letztlich in Kooperationen erfolgen wird.

Die Vorgaben waren klar: Neben den erforderlichen Büroflächen sollten auch Memorials geschaffen werden, und der an diesem Punkt Manhattans befindliche wichtige Verkehrsknoten musste städtebaulich intelligent neu konzipiert werden. Vor allem die Höhenentwicklung am Standort der ehemals höchsten Gebäude der Stadt war lange Zentrum heftiger Diskussion. Die Antwort der Architekten fiel unisono aus: Alle Entwürfe überragen die anderen Häuser der Stadt, alle sind markant und selbstbewusst ausdefiniert, alle wollen das sein, was am 11. September zusammenstürzte, nämlich das kühne Wahrzeichen einer stolzen Stadt. Die ersten Fachkritiken zu den Entwürfen fielen durchwegs positiv aus. So zeigte sich etwa Heribert Muschamp, der prominente Kritiker der New York Times, von allen Projekten äußerst angetan und bezeichnete sie als "Feier des vertikalen Lebens".

Dennoch - so fesch, so zeitgemäß die Überlegungen der Architekturstars auch sein mögen, das letzte und damit wichtigste Handanlegen wird dem Investorentum überlassen bleiben. Joseph J. Seymour, als Chef der Port Authority Sprachrohr der Besitzer des Baulandes von Ground Zero, relativierte vorsichtshalber bereits am Tag der Präsentation alle hochfliegenden Visionen: "Ob da etwas genauso umgesetzt wird, wie es jetzt präsentiert wurde, oder nicht, das kann niemand sagen."

Fest steht allerdings, dass die Organisatoren dieses in der Geschichte wohl prominentesten Architekturwettkampfs zumindest mit offenen Karten spielen. Alle Präsentationsshows der Projekte sind im Internet bis ins Detail abrufbar, eine große Veröffentlichungskampagne mit dem Titel "Plans in Progress" wurde initialisiert, auf dass nun, wie bereits im Sommer, eine öffentliche Diskussion über die Vor- und Nachteile der einzelnen Vorschläge in Gang komme. Am 31. Jänner wird sich zeigen, wer die Oberhand behält: das Kapital, die Architektur, oder ob - wahrscheinlich - ein Kompromiss die Lösung sein wird, der dann der Öffentlichkeit von Port Authority und der Lower Manhattan Development Corporation gemeinschaftlich präsentiert wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.12.2002)