Wien - Eine starke österreichische Beteiligung gibt es bei der Raumsonde "Mars Express" der Europäischen Weltraumagentur ESA, die Mitte 2003 zum Roten Planeten startet. Der Leiter der gesamten Mission, Rudolf Schmidt, stammt aus Österreich. Auch an zahlreichen Einzel-Projekten und -Experimenten sind österreichische Wissenschafter beteiligt.

Die thermische Isolation des Satelliten stammt wie bei schon vielen ESA-Missionen zuvor von der Austrian Aerospace GesmbH, die auch Teile der mechanischen Bodentestausrüstung für "Mars Express" geliefert hat. Den Auftragswert beziffert Österreichs größtes Weltraumunternehmen mit 900.000 Euro.

Einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen des Projekts, mit "Beagle II" einen kleinen Roboter auf der Oberfläche des Planeten landen zu lassen, liefert das Institut für digitale Bildverarbeitung des Joanneum Research in Graz. Es wird aus den Bildern der zwei Kameras, die auf dem Roboter-Greifarm der Sonde angebracht sind, ein digitales dreidimensionales Geländemodell der näheren Umgebung rund um die Sonde berechnen. "Auf Basis dieser Bilder wird dann entschieden, wo genau welche Steine untersucht werden", erklärte Gerhard Paar im Gespräch.

Bilder an der TU Wien

Mit den Bildern aus dem um den Mars kreisenden Satelliten wird sich das Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung der Technischen Universität Wien beschäftigen. Eine Stereo-Kamera wird mit einer Auflösung von bis zu zehn Metern die gesamte Oberfläche des Planeten - rund 150 Millionen Quadratkilometer - fotografieren. Auf diese Bilder sollen dann weltweit Wissenschafter Zugriff haben, um beispielsweise ein detailliertes dreidimensionales Geländemodell des Mars zu berechnen. "Dazu ist die Verwaltung enormer Datenmengen notwendig, wir rechnen mit mindestens zwei Terabyte, das sind zwei Billionen Byte", erklärte TU-Professor Josef Jansa.

Die TU-Wissenschafter sind Spezialisten in der Verwaltung großer Gelände- und Bilddatenmengen und haben für das Projekt das "Topographic Mars Information System" (TMIS) entwickelt. Das System bietet neben der Datenverwaltung eine Vielzahl von Visualisierungs- und Analysemöglichkeiten wie Perspektivansichten, dreidimensionale Modelle oder 360-Grad-Panoramadarstellungen, wie sie für die Simulation künftiger Landungen eingesetzt werden könnten.

Grazer Institut erhält vollen Datenzugang

Das Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz ist eines der wenigen Laboratorien, die von der ESA anerkannt werden und damit Zugang zu den gesamten Daten erhalten. "Wir wollen vor allem die Entwicklung der Mars-Atmosphäre studieren", betonte Helmut Lammer. Dazu messen die Wissenschafter mit mehreren Instrumenten des Satelliten, welche Bestandteile der Atmosphäre und wie viele davon ins Weltall entweichen. Aus diesen Daten hofft man Rückschlüsse ziehen zu können, wie der Planet früher beschaffen war, ob er tatsächlich viel erdähnlicher war als heute. Um entsprechende Vergleichsdaten zu haben, stellen die Grazer Forscher in ihren irdischen Labors marsähnliche Materialien her und setzen sie verschiedenen Bedingungen aus. Damit lässt sich Wechselwirkung zwischen Atmosphäre und Materialien simulieren. (APA)