Zumindest in den Medien hat der Countdown zu einem Irak-Krieg nun also begonnen. Ob, was da am Golf militärisch vor sich geht, die Drohung potenzieren und dadurch Saddam Hussein zu einer Nachbesserung seines Waffenberichts veranlassen soll, oder ob das tatsächlich schon die Vorbereitungen zum Angriff sind, ist noch unklar. Dass es ernst werden könnte, zeigt hingegen der Auftritt des russischen Außenministers Igor Iwanow, der einen Irak-Krieg als "gegen die nationalen Interessen Russlands gerichtet" bezeichnete.

Nun hat Moskau ganz spezielle geschäftliche Interessen, die erst wieder vor kurzem peinlich publik wurden, als Bagdad die Verträge für die Erschließung von irakischen Erdölfeldern durch die russische Lukoil zerriss - natürlich gerade weil sich die Russen bemüht hatten, mit den USA den Deal auszuhandeln, dass ihre Erdölrechte auch in einem Nachkriegsirak gelten würden (was einen guten Hinweis darauf gibt, wie man die irakische Souveränität in der Post-Saddam-Ära einschätzt!).

Iwanows Auftritt ist aber mehr als der Versuch, Bagdad zu zeigen, dass man noch nicht total die Fronten gewechselt hat. Da bricht eben auseinander, was durch die einstimmige Verabschiedung der Irak-Resolution 1441 Anfang November nur notdürftig gekittet war: Auch wenn der Sicherheitsrat grünes Licht für die Gewaltanwendung gegen den Irak geben würde, blieben die Interessen von UNO und USA doch unvereinbar. Die einen wollen die Abrüstung, die anderen den Regimewechsel - auch wenn das Thema zurzeit sogar von den US-Falken eher vermieden wird. Vielleicht, weil es auch da zwei Schulen gibt: die eine, die unter dem Motto "Let's roll" nach dem Fall Saddams eine Neuordnung der ganzen Region erwartet (wieso das unbedingt zu ihren - und Israels - Gunsten ausgehen soll, können sie selbst nicht so genau erklären), die andere, die sich mit der "One bullet"-Lösung, einer Kugel für Saddam, zufrieden gibt. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.12.2002)