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Archivbild aus dem Jahr 2001: Gabrielle Wittkop
Foto: APA/Pierre Franck Colombier

Paris - Die deutsch-französische Schriftstellerin Gabrielle Wittkop ist mit 82 Jahren freiwillig aus dem Leben geschieden. Wie ihr französischer Verleger Bernard Wallet am Montag mitteilte, entschied die Autorin nach der Diagnose von Lungenkrebs selbst, dass sie ihrem Leben ein Ende setzen wollte. Sie sei am Sonntag an ihrem Wohnort Frankfurt am Main gestorben.

"Zynisch und assozial"

Wittkop, eine bekennende Bisexuelle, die sich selbst als "zynisch" und "asozial" bezeichnete, war die Witwe des deutschen Essayisten Justus Franz Wittkop. Sie hatte den 22 Jahre älteren Homosexuellen im Zweiten Weltkrieg kennen gelernt und in Paris vor den Nazis versteckt. Die 1920 in Nantes geborene Autorin, die zeitweise auch für das Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" arbeitete, erhielt sich bis ins hohe Alter ihre Schaffenskraft. 1966 veröffentlichte sie einen Essay über den Schriftsteller und Komponisten E.T.A. Hoffmann. Weithin bekannt wurde sie durch ihr Romandebüt "Le nécrophile" von 1972, in dem es um sadistische Neigungen bei Frauen geht. Außerdem übersetzte Wittkop, die seit 1946 in Deutschland lebte, u.a. Theodor Adorno, Uwe Johnson und Peter Handke.

Weitere Veröffentlichungen geplant

In Deutschland erschien in diesem Jahr Wittkops Roman "Der Witwer von Venedig", in dem die Ermordung von vier Frauen eines venezianischen Kaufmanns im Venedig des späten 18. Jahrhunderts geschildert wird. Der französische Verleger Wittkops plant für das kommende Jahr die Veröffentlichung zweier weiterer Werke Wittkops, darunter der Roman "Madame Paradis". (APA)