Wien - "Ich hab mir lange den Kopf zerbrochen, aber eingefallen ist mir nix. Also wird's halt eine Krawatte." Frau S. ist nicht die Einzige, der es heuer in der Adventzeit so gegangen ist, auch wenn sie darauf besteht, dass es "garantiert das erste Mal" ist, dass sie das klassische Last-Minute-Geschenk besorgt. Der Andrang am vorletzten weihnachtlichen Einkaufstag in einschlägigen Geschäften war jedenfalls entsprechend groß.

Die Kunden repräsentieren dabei sämtliche Bevölkerungsschichten. Auch die acht Jahre alte Claudia und ihr Bruder Stefan (10) haben ihr Taschengeld zusammengekratzt und kaufen ihrem Papa zu Weihnachten eine klassisch gestreifte Krawatte. Ihre Begründung: "Der Papa muss im Büro eine Krawatte tragen." Ähnlich das Argument des 28-jährigen Markus F.: "Eine Krawatte ist ganz einfach ein seriöses Geschenk."

Der Handel ist mit dem heurigen Weihnachtsgeschäft im Großen und Ganzen zufrieden. "Wir werden ungefähr dorthin kommen, wo wir im Vorjahr waren", sagt etwa eine Verkäuferin des Wiener Krawattenerzeugers Theodor Friedmann's Nachfolger. "Die Menschen sind beim Schenken einfallslos", urteilt sie interessanterweise über ihre eigenen Kunden. Dann aber die Erklärung: Friedmann erzeugt auch Maßkrawatten.

Etwas unter den Erwartungen blieb dagegen das Geschäft bei der Kette Tie Rack. Die allgemeine Wirtschaftslage, der Euro, aber auch die Unsicherheit rund um die neue Regierung hätten zu zurückhaltenderem Kaufverhalten geführt, sagt Geschäftsleiter Claus Kohlenberger. Dabei sei gerade das Weihnachtsgeschäft wie für alle Bekleidungshändler besonders wichtig. "Wir machen im Dezember den drei- bis fünffachen Umsatz eines normalen Monats." Tie Rack ist laut eigenen Angaben das weltweit größte Fachgeschäft für Krawatten mit 350 Filialen. Mit vier Filialen in Österreich machte die Kette im Vorjahr rund 1,45 Mio. Euro Umsatz.

In Österreich gibt es drei industrielle Erzeuger von Krawatten: Strießnig, Belvedere sowie Theodor Friedmann's Nachfolger mit der Marke "Phoenix". Diese Marken seien etabliert und hätten auch im Export Erfolge, sagt Franz Pitnik vom Fachverband der Bekleidungsindustrie. International seien vor allem Italien, Großbritannien und Frankreich in der Krawattenerzeugung führend, im Billigsegment der asiatische Raum. (Robert Zwickelsdorfer, DER STANDARD Print-Ausgabe, 24.12.2002)