Jerusalem - Das nächste Jahr könnte nach den Worten des israelischen Regierungschefs Ariel Sharon die Entscheidung über Krieg und Frieden im Nahen Osten bringen. Auf einer Veranstaltung zur Eröffnung des Wahlkampfs seines rechtsnationalistischen Likud-Blocks für die vorgezogene Parlamentswahl am 28. Jänner sagte Sharon am Mittwochabend in Jerusalem, er wolle im Rahmen einer "Regierung der nationalen Einheit" mit der Arbeiterpartei auf einen Frieden mit den Palästinensern hinarbeiten.

"Kapitulation vor dem Terrorismus"

Die Friedensvorschläge der sozialdemokratischen Arbeiterpartei unter der Führung des neuen Oppositionschefs Amram Mizna lehnte der Ministerpräsident jedoch als "Kapitulation vor dem Terrorismus" ab. Die Arbeiterpartei ihrerseits will einer Konzentrationsregierung nur auf der Grundlage ihrer Friedensvorschläge beitreten. Die Arbeiterpartei hatte Ende Oktober ihre Minister aus dem Kabinett abgezogen. Es wird gegenwärtig allgemein mit einem klaren Sieg des Likud-Blocks gerechnet.

Scharfe Kritik übte Sharon in seiner Rede an der derzeitigen palästinensischen Führung unter Präsident Yasser Arafat. "In diese Führung haben wir kein Vertrauen mehr", sagte der Regierungschef. Er warf Arafat vor, "den Terrorismus zu fördern". "Das kommende Jahr kann ein Jahr der Entscheidung werden, eine historische Entscheidung über Krieg oder Frieden", sagte Sharon. Im Gegenzug für einen wirklichen Frieden sei er zu "schmerzhaften Konzessionen" bereit. In seinen Friedensvorschlägen folge er den Vorstellungen von US-Präsident George W. Bush, erklärte Sharon. Er erwähnte jedoch nicht die Schaffung eines souveränen palästinensischen Staates. Bushs Vorschlag, der im so genannten Nahost-"Quartett" mit Russland, der EU und den Vereinten Nationen abgestimmt ist, sieht zunächst die Schaffung eines palästinensischen Staates in provisorischen Grenzen schon im kommenden Jahr vor. (APA)