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Einer der "Väter" des Klonschafs Dolly, Alan Colman

Foto: APA/Thomas Schmidt

Wien/London - Jene Wissenschafter, die für Klonpraktiken an Menschen eintreten oder sich gar öffentlich dazu bekennen, sind weltweit in der Minderzahl. Selbst der Schöpfer des ersten Klon-Schafs Dolly sprach sich gegen derartige Versuche aus - aus technischen Gründen, wie er betont.

Nach Ansicht von Colman läuft die öffentliche und mediale Diskussion über mögliche Klonierungs-Versuche an Menschen in die falsche Richtung. Die üblichen Argumente wie "Menschenwürde" oder "Eingriffe in die genetische Privatsphäre" hält er für wenig stichhaltig. Schon jetzt sei es in vielen Kulturen üblich, dass Kinder "als Altersversorgung" in die Welt gesetzt werden. Dies sei ebenso als Missbrauch zu verstehen, wie der Einsatz von Klonen. Und wie Klone von der Gesellschaft behandelt würden, sei in erster Linie ein Problem der Gesellschaft und ihrer Vorurteile.

Letal-Gene

Seine eigene Ablehnung begründet Colman damit, dass die rein technischen Schwierigkeiten der Versuche bei den verschiedenen Tierarten unterschiedlich gelagert seien und deshalb für die Adaptierung und Verfeinerung der Methode an Menschen unweigerlich unzählige Experimente an menschlichem Material durchgeführt werden müssten. "Das ist für mich Grund genug, derlei Versuche abzulehnen", sagte der Wissenschafter.

Wissenschaftern zweifeln auch deshalb an Klonversuchen an Menschen, weil dadurch so genannte Letal-Gene verstärkt zum Tragen kommen könnten. Bei der normalen Fortpflanzung kommt es nämlich zu einer ständigen Vermischung von Erbgut, dadurch werden tödliche Gene - und jedes Säugetier trägt durchschnittlich drei bis fünf solcher Gene in sich - durch ihre gesunden Gegenstücke ausgeglichen. Beim Klonen wird diese Durchmischung jedoch ausgeschaltet, es ergibt sich mittelfristig ein ähnlicher Effekt wie bei Inzucht.

Diskussion über Praktiken

Der österreichische Gynäkologe, Stammzellenforscher und Vorsitzende der Bioethikkommission Johannes Huber fordert eine europaweite Diskussion über Praktiken wie das Klonen von Menschen. "Europa kann jetzt beweisen, dass es nicht nur immer um Geld geht, sondern dass es auch eine Verpflichtung zu einer Wertordung gibt", so der Mediziner.

Wenn Europa klar Nein zum Klonen von Menschen sage, wäre dies ein klarer Hinweis, dass man auch einmal auf einen Wissensvorsprung verzichten könne, weil einem dieses Wissen zuwider sei. Im asiatischen Raum sei die Einstellung zu derlei Techniken mit Sicherheit anders, während für die jüdisch-christliche Welt das Individuum im Mittelpunkt stehe, drehe sich etwa der Buddhismus oder Hinduismus mehr um das Kollektiv.

Den wissenschaftlichen Wert von Klon-Experimenten zweifelt Huber an. Die Teilung von Eizellen ohne Befruchtung sei bereits seit rund 30 Jahren bekannt, und auch die Klonierung von Embryonen haben Forscher schon vor rund zehn Jahren gemeldet. Generell sollte bei verschiedenen Eingriffen zur künstlichen Herbeiführung von Schwangerschaften nicht die Wissenschaft sondern "das Wohl des Kindes im Vordergrund stehen", betonte Huber. (APA)