Wien - Ursula Mahrhofer hat Matura und es als Skirennläuferin bis in den Wiener Landeskader gebracht. Heute ist sie eine der wenigen österreichischen Hafnermeisterinnen.

Obwohl bereits der Großvater den Kachelofenbetrieb im 16. Wiener Gemeindebezirk gegründet hatte, war ihr diese Profession wahrlich nicht in die Wiege gelegt worden. Die Eltern hatten ihre beiden Töchter vielmehr in deren Studienwünschen bestärkt. Als Ursula - parallel zu einem Betriebswirtschaftsstudium - so nebenbei doch auch eine Hafnerlehre (mit Auszeichnung) abschloss, tat sie dies ohne jede Absicht, diesen Beruf auch je auszuüben. Hatte doch der Vater seine beiden Töchter stets vor der körperlich schweren Arbeit und davor gewarnt, dass es Frauen in einer Branche - in der sie lediglich magere zwei Prozent stellen - nicht gerade leicht haben.

Die Warnungen waren auf fruchtbaren Boden gefallen. Ursula studierte mit Drive, jobbte in verschiedenen Banken und lässt es in ihrer Freizeit auf den Skipisten zischen. Dann aber stirbt der Vater. Überlegungen, den florierenden Betrieb zu verkaufen oder zu verpachten verwirft sie nach einer längeren Diskussionsphase mit Mutter und Schwester faktisch über Nacht. Die 25-Jährige will sich allen Widrigkeiten zum Trotz der neuen Aufgabe stellen und "es einfach tun". Ein Anstoß dazu sei auch gewesen, dass ihr wohlmeinende, ältere Branchenkollegen geraten hatten, doch lieber einen Hafner zu heiraten, als sich die Leitung eines Kaminsetzer-Betriebes selbst anzutun.

Heute kann sie darüber nur gelassen schmunzeln. Das mit der Heirat ließ sich leicht als antiquiert abtun, der Rest der Einwände schon weniger. Zum einen, weil auch ein Hafnermeister das Material für Kachelöfen, die bis zu einer Tonne wiegen können, schleppen muss, man auf kalten Baustellen viel mit Wasser arbeitet und man auch nicht gerade schmutzempfindlich sein darf. Außerdem, auch darauf hatte der Vater verwiesen, dass es Frauen in einer Branche, die mit zwei Prozent eine absolute Minderheit sind, nicht eben leicht hätten.

Trotzdem oder gerade deshalb hat sie sich voll hineingeschmissen und im Eilzugstempo und vielen "durchlernten" Nächten nach nur vier Monaten ihre Meister-und Unternehmerprüfung abgelegt.

Das ist jetzt rund sechs Jahre her und das zuerst von den Kollegen skeptisch beäugte "Töchterl" hat im wahrsten Sinne des Wortes ihre Feuerprobe geschafft. Der Betrieb prosperiert und arbeitet hoch weiß. Nicht zuletzt deswegen, weil sich die junge Chefin darauf verstehe, immer zuerst die Lebensumstände und die sich daraus ableitenden Anfordernisse an einen Kachelofen detailliert auszuloten anstatt den Kamin einfach nur zu verkaufen, attestieren ihr zufriedene Kunden.

Mahrhofer selbst meint, ihr gehe es vor allem um die Dreierkonstellation Psychologie, Technik und Kreativität: "Deshalb haben wir auch noch nie zwei idente Öfen gebaut." Die Zukunft ihres Gewerbes sieht sie, trotz aktueller Wirtschaftsflaute, positiv. Nach Jahren der Zentralheizung kehren viele wieder zu einem schönen Ofen als Herzstück des Hauses oder der Wohnung zurück, um es so richtig wohlig knistern zu lassen. (Monika Bachhofer/DER STANDARD, Printausgabe 28./29.12.2002)