Bild nicht mehr verfügbar.

Die USA begannen mit verstärkter Truppenverlegung an den Golf. Die Zahl der Soldaten soll auf mindestens 100.000 angehoben werden. Beim ersten Krieg gegen den Irak wurden rund eine halbe Million Soldaten eingesetzt.

Foto: REUTERS/Chris Helgren

Washington - US-Regierungskreise bestätigten am Wochenende Presseberichte, wonach Verteidigungsminister Donald Rumsfeld einen Befehl zur Verlegung Tausender Soldaten in die Golfregion erlassen habe. Damit werde sich die Zahl der dort stationierten rund 50.000 US-Soldaten mindestens verdoppeln. Auf diese Weise werde ein eindeutiges Signal gegeben, dass Präsident George W. Bush entschlossen sei, Irak zu entwaffnen, hieß es.

Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon widersprach unterdessen einem Zeitungsbericht, wonach US-Präsident George W. Bush dem israelischen Premier den Zeitpunkt des US-Angriffes gegen den Irak bereits mitgeteilt haben soll. Wie der britische Sunday Express berichtete, habe Bush in einem Telefongespräch erklärt, dass der Krieg am 21. Februar "um Mitternacht" beginnen werde. Ein Sharon-Mitarbeiter dementierte den Bericht im israelischen Rundfunk "kategorisch".

Zu den US-Truppen, die zur Vorbereitung eines Irak-Krieges in die Golfregion verlegt werden, gehören Marineinfanteristen, Luftlandetruppen, Infantrie- und Panzerbrigaden, Bomber, Kampfflugzeuge, unbemannte Aufklärungsflugzeuge sowie wahrscheinlich zwei weitere Flugzeugträger-Kampfgruppen. Außerdem soll das Lazarett-Schiff "Comfort" am Montag seinen Heimathafen Baltimore in Richtung Indischer Ozean verlassen. Die "Comfort" verfügt über zwölf voll ausgestattete Operationssäle und 1000 Betten.

Derzeit befinden sich bereits zwei Flugzeugträger in der Region: Die "Constellation" im Golf und die "Harry S. Truman" im Mittelmeer. Nach Informationen aus US-Regierungskreisen könnte der Flugzeugträger "George Washington" zusammen mit der "Abraham Lincoln" oder der "Kitty Hawk" in Kürze dorthin verlegt werden. Die "Washington" war erst kürzlich vom Golf nach Norfolk im Bundesstaat Virginia zurückgekehrt.

Irakische Expertenliste

Die Truppenverlegung bestätigt, dass die USA an ihrer militärischen Option der Entwaffnung des Irak und des Sturzes des irakischen Präsidenten Saddam Hussein festhalten. Die rund 100 Inspektoren durchsuchten auch am Sonntag mehrere verdächtige Einrichtungen. Am Vortag hatten die irakischen Behörden zudem eine Liste mit den Namen von rund 500 Wissenschaftern und anderen Experten übergeben, die an früheren Waffenentwicklungen beteiligt gewesen sein sollen. Der Chef der UNO-Waffeninspektoren, Hans Blix, hatte die Liste am 12. Dezember angefordert. Die Inspektoren wollen einige der Experten befragen.

Die französische Regierung hat erneut bekräftigt, dass sie sich ohne eine entsprechende UNO-Resolution nicht an einem Krieg gegen den Irak beteiligen werde. Eine französische Beteiligung sei in einem solchen Fall "ausgeschlossen", betonte Verteidigungsministerin Michele Alliot-Marie. Falls entsprechende "politische Entscheidungen" getroffen würden, sei Frankreich "jederzeit einsatzbereit".

Ein Krieg sei jedoch "die schlimmste Lösung" und müsse unbedingt vermieden werden, betonte die Ministerin. Paris versuche, dem irakischen Machthaber Saddam Hussein über "bestimmte arabische Staatschefs" Nachrichten zukommen zu lassen, um ihn zur Einhaltung der UNO-Entschließungen zu bewegen. (AP, Reuters, AFP, red/DER STANDARD, Printausgabe, 30.12.2002)