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Hamburg - Die Europäische Zentralbank (EZB) erwägt die Einführung von Ein- und Zwei-Euro-Banknoten, bekräftigt EZB-Präsident Wim Duisenberg. "Ich habe einen Brief vom italienischen Finanzminister erhalten, der dafür plädiert hat", sagte Duisenberg. "Wir untersuchen derzeit das Für und Wider dieses Vorschlags. Wir sind grundsätzlich offen dafür." Die Einführung zusätzlicher Banknoten bedürfe nach Duisenbergs Einschätzung allerdings jahrelanger Vorbereitung. Bislang gibt es sieben Eurobanknoten in Stückelungen von fünf bis 500 Euro. Wie berichtet, plädieren neben Italien nur Österreich und Griechenland für die kleineren Scheine.

Nach der deutlichen Zinssenkung Anfang Dezember schließt die EZB weitere Zinsschritte nicht aus. "Wir sind da immer flexibel", sagte der EZB-Präsident, "aber wir sind auch ausgerichtet auf Stabilität und Kontinuität."

Zinsentscheidungen von Inflation abhängig

Duisenberg machte deutlich, dass die weiteren Zinsentscheidungen der Währungshüter von der Entwicklung der Inflation abhängen, die derzeit im Euroland noch über der EZB-Warnschwelle von zwei Prozent liegt. "Unsere Entscheidung, die Zinsen zu senken, basierte auf unserer Analyse, dass die Inflationsrate in den Jahren 2003 und 2004 unter unserer selbst gesteckten Grenze von zwei Prozent bleiben wird."

Die EZB hatte ihren wichtigsten Leitzins Anfang Dezember - zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr - um 0,5 Punkte auf 2,75 Prozent gesenkt.

"Bereit länger im Amt zu bleiben"

Duisenberg hat in einem Interview mit Bild am Sonntag seine Bereitschaft erklärt, notfalls länger als geplant im Amt zu bleiben. "Ich würde gern an meinem 68. Geburtstag am 9. Juli aufhören", sagte Duisenberg, "aber ich bin weiter bereit, im Interesse eines glatten Übergangs etwas länger im Amt zu bleiben."

Als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Duisenbergs gilt der Chef der französischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet. Gegen ihn soll allerdings am 6. Jänner ein Verfahren wegen der Affäre um die Großbank Cré- dit Lyonnais in den 1990er-Jahren beginnen. Trichet, damals für die Aufsicht der Staatsunternehmen verantwortlich, wird eine Mitschuld im Zusammenhang mit Bilanzunregelmäßigkeiten vorgeworfen. (dpa, Reuters, Der Standard, Printausgabe, 30.12.2002)