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Foto:Reuters/ China Foto

Chinas Eisenbahnminister Fu Zhihuan hat die für den Silvestertag geplante Jungfernfahrt des Transrapid in Schanghai als entscheidenden Test bezeichnet, ob die Technik der Magnetschwebebahn für weitere Anschlussaufträge in China genutzt werden wird. Fu, dessen Ministerium bisher als Lobbyist für Rad-Schiene-Lösungen auftrat, bestätigte wenige Tage vor der Premiere der ersten kommerziell genutzten Magnetzugverbindung der Welt, dass das Rennen um die Vergabe weiterer Aufträge für Hochgeschwindigkeitstrassen offen sei. "Wir warten die Ergebnisse der Testfahrt in Schanghai ab."

Befragt, ob er sich den Bau eines Transrapid auf den 1300 Kilometern zwischen Peking und Schanghai oder als Städteverbindung zwischen Hongkong und Kanton vorstellen kann, wich der Minister aus: "Wir haben uns noch nicht festgelegt, welche Technologien wir übernehmen."

Hohe Anlaufkosten

Er ließ aber erkennen, dass er die traditionelle Hochgeschwindigkeitstechnik bevorzugt. Die Eisenbahner "sind mit Rad/Schiene vertraut. Die Magnettechnik ist uns fremd." Er führte auch die hohen Anlaufkosten für die 30 Kilometer lange Strecke in Schanghai gegen den Transrapid an: "Wir haben gehört, dass sich seine Kosten pro Kilometer auf über 300 Mio. Yuan (rund 38 Mio. Euro) summieren."

Illustre Gäste

Chinas Premier Zhu Rongji, der im Gegensatz zu Minister Fu die Magnettechnik befürwortet, wird mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und dessen Delegation den Transrapid auf einer gemeinsamen Probefahrt am 31. Dezember einweihen. Der Zug, der in nur zwei Jahren vom Transrapid-Konsortium ThyssenKrupp und Siemens und der Schanghaier Maglev-Gruppe gebaut wurde, soll bei der Premiere die illustren Gäste zwischen dem Flughafen Pudong und dem Transrapid-Bahnhof Longyang mit Spitzentempo 430 km/h in jeweils nur sieben Minuten Fahrtzeit hin- und zurückbefördern.

Eisenbahnminister Fu räumte ein, er habe gehört, dass die Transrapid-Vorbereitungen in Schanghai gut laufen. Rund 230 Systemtechniker und Ingenieure von ThyssenKrupp und Siemens sind mit dem intensiven Testprogramm befasst. Seit Anfang Dezember wurde der 75 Meter lange Zug täglich bis zu zwei Dutzend Mal probegefahren. Der Transrapid würde einen Großteil seiner täglichen rund 700 Testkilometer "reibungslos" mit Spitzentempo 430 schweben.

Automatisch gesteuert

Die Testfahrten dienten dazu, die Betriebssoftware zu optimieren. Künftig wird die Magnetbahn von einem Leitzentrum automatisch gesteuert werden. Im Februar soll aus Kassel der zweite Zug angeliefert werden. Ab März 2003 soll auch die Parallelstrecke betriebsbereit sein.

Der 64-jährige Fu, der Deutsch spricht, in den Achtzigerjahren ein Jahr in Essen und München studierte und den Transrapid im Emsland probefuhr, wollte die Frage nicht beantworten, ob er am 31. Dezember an der Premierenfahrt in Pudong teilnimmt.

Er bestätigte hingegen, dass sein Eisenbahnministerium einen eigenen Hochgeschwin- digkeitszug, "Chinas Stern", nach ICE-Vorbild gebaut habe. Die Entwicklung sei noch nicht ausgereift. Auf Testfahrten habe "Chinas Stern" zwar mehr als 300 Kilometer pro Stunde erreicht. Seine Betriebsgeschwindigkeit läge aber nur "um die 200 Kilometer". (Johnny Erling aus Peking, Der Standard, Printausgabe, 30.12.2002)