Mit der verlautbarten Geburt von Baby Eve könnte der Schritt in eine ungewisse Klonzukunft schon vollzogen sein. Es wäre dies keine überraschende Entwicklung, bringen namhafte ExpertInnen vor: Sie kennen den fortgeschrittenen Stand der Wissenschaft - und waren auf das Erscheinen des Homo Xerox offenbar gefasst.

Überrumpelt und der Situation keineswegs gewachsen hingegen zeigen sich jene, die eigentlich die Regeln für das Herummurksen am menschlichen Genom erstellen sollten: die Staaten und Staatengemeinschaften. Die Vereinten Nationen zum Beispiel konnten sich bisher nicht zu einem Ja oder einem Nein zu der von Deutschland und Frankreich vorgeschlagenen Klonverbotskonvention durchringen.

Und so mancher Regierungsvertreter hegt Zweifel an einem totalen Klonverbot, wie es US-Präsident Bush jetzt ventiliert: Ein solches Verbot würde nämlich auch Kopien menschlicher Embryos im Dienste der medizinischen Forschung bannen. Will man das wirklich? Also schreitet die Weltgemeinschaft - ebenso wie einzelne Staaten auch - legistisch weithin unvorbereitet ins neue Klonzeitalter. Und spricht mit (zu) vielen unterschiedlichen Stimmen.

Weil Baby Eves Pateneltern - Brigitte Boisselier und die Anhänger der Raelianersekte - autoritäre Ziele mit der Geburt des genetischen Mutterzwillings verknüpfen: eine weltweite Regierung nämlich, die nur von Menschen mit hohem Intelligenzquotienten gewählt werden darf. Das Ganze basiert auf einer Art totaler genetischer Erinnerung, die die Anhänger Raels bei den Klonkindern zu finden glauben: ein geschlossenes Weltbild, das sich quasi wissenschaftlicher Methoden bedient. Eine nicht ungefährliche Situation. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 30.12.2002)