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Sebastian Haffner auf einem Archivbild aus dem Jahr 1978

Foto: APA/EPA

Hamburg - Der deutsche Historiker und Journalist Sebastian Haffner ist nach einem "Spiegel"-Bericht im Exil in Großbritannien bespitzelt worden. Das Hamburger Magazin berief sich am Wochenende auf ein nun frei gegebenes Dossier des britischen Inlandsgeheimdienstes MI 5. Der 1907 in Pommern geborene Haffner emigrierte 1938 mit seiner jüdischen Freundin Erika Hirsch nach London. Er starb 1999.

Die Geheimdienstler hatten dem Bericht zufolge offensichtlich Probleme, wie sie den Publizisten einschätzen sollten. Ein MI 5-Mitarbeiter notierte den Angaben zufolge: "Unsere Unterlagen zeigen erstaunliche Gegensätze in der Einschätzung seiner politischen Ansichten." Einige Zuträger aus der Emigrantenszene hätten in Haffner "einen Liberalen und Anti-Nazi, andere einen Beinahe-Kommunisten" gesehen. Wieder andere hätten ihn als "Opportunisten, der sich als Nazi-Gegner ausgab, weil es ihm gelegen kam", bezeichnet.

"Viel zu viele deutsche Journalisten in diesem Land"

Bereits ein dreiviertel Jahr nach seiner Einreise wollte der Geheimdienst dem Bericht zufolge, dass Haffner das Königreich wieder verlässt, da es schon "viel zu viele deutsche Journalisten in diesem Land" gebe. Der Autor durfte dennoch bleiben, wurde aber 1940 interniert, weil er als Sicherheitsrisiko eingestuft wurde. Zur Begründung hieß es in dem dem Magazin vorliegendem Urteil: Der Publizist "lebt von anderer Leute Dummheit", sei "durch und durch dubios" und könne gar "gefährliche Kontakte aufbauen". Dank des Einsatzes seiner Verleger kam Haffner wieder frei.

Nach seiner Promotion war Haffner ab 1933 im Staatsdienst tätig gewesen. Im Dritten Reich nahm er von seinem Berufswunsch Richter Abstand und konzentrierte sich auf unpolitische Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften.(APA/AP)