Bild nicht mehr verfügbar.

"Clonaid"-Chefin und Raelianerin Brigitte Boisselier
Foto: REUTERS

Bild nicht mehr verfügbar.

Der vermarktbare Glaubensgrundsatz der RaelianerInnen: Der Mensch als Replikation von extraterrestrischen Lebensformen.
Foto: APA/epa

Washington - Eve, das angeblich erste Klonbaby der Welt, soll dreieinhalb Kilo schwer sein und sich, wie seine Mutter, bester Gesundheit erfreuen. Montag wurden Original und Kopie in den USA erwartet. Wo genau, wollte die "Herstellerfirma", das von der Ufo-gläubigen Raelianer-Sekte gesponserte Unternehmen Cloneaid aus Las Vegas, erst Minuten vor der Präsentation bekannt geben.

Die abstruse Sekte hatte zugesagt, unabhängige ExpertInnen prüfen zu lassen, ob das vergangenen Donnerstag geborene Kind tatsächlich ein Klon seiner Mutter - einer 31-jährigen US-Bürgerin - ist. Spätestens Mitte nächster Woche soll durch eine DNA-Analyse feststehen, wer "Eve" nun wirklich ist, hat Brigitte Boisselier, Clonaid-Chefin und hohe Funktionärin der Raelianer-Sekte, versprochen. Dafür müsste allein die DNA aus den Zellkernen von Mutter und Kind verglichen werden. Stellen sich beide Gen-Abdrücke als hundertprozentig identisch heraus, wäre "Eve" tatsächlich der erste Menschenklon.

Zweifel

Wie berichtet, haben WissenschaftlerInnen in aller Welt erhebliche Zweifel an der Klongeburt geäußert und nach Beweisen verlangt. Doch Boisselier legte bis Freitagabend (MEZ) noch nicht einmal Fotos des Babys vor. Wissenschaftliche Vorbehalte, ihr Team habe mangelnde Erfahrung, wies Boisselier zurück: ihre MitarbeiterInnen hätten vor der Geburt von Eve mit 3000 Kuhembryos experimentiert. Zudem habe man mit 300 menschlichen Embryos Erfahrungen gesammelt, bevor der erste Embryo implantiert worden sei. Schon in dieser Woche soll laut Boisselier das nächste Klon-Baby geboren werden - als Nachwuchs eines lesbischen Paares in Nordeuropa.

2000 InteressentInnen

Der Gründer der Raelianer-Sekte und französische Rennwagenfahrer, Claude Vorilhon, sagte in einem Interview mit der US-Zeitung Miami Herald, dass weltweit etwa 2000 InteressentInnen auf der Liste von Clonaid stünden. Sie wollten sich selbst oder ein Familienmitglied klonen lassen. Clonaids Ziel sei, "möglichst viel Geld zu verdienen."

Die US-Arzneimittelaufsichtsbehörde hat eine Untersuchung des Klon-Babys angekündigt. Es seien bereits Schritte unternommen worden, um die Entstehung des Babys zu untersuchen, gab ein Sprecher der Food and Drug Administration (FDA) bekannt. Außerdem werde geprüft, ob gegen US-Gesetze verstoßen worden sei. Die Raelianer-Sekte will den Eingriff nach eigenen Angaben nicht in den USA vorgenommen haben. In den USA ist das Klonen menschlicher Embryonen zwar nicht verboten, die FDA muss jedoch ihre Zustimmung geben.

Der Erzbischof von Paris, Kardinal Jean-Marie Lustiger, verglich das Klonen eines Babys mit den Praktiken der Nazis: "Man sieht ganz deutlich, welcher Gedanke hinter diesem Unterfangen steht." Ober-Raelianer Vorilon, dem nach eigenen Angaben im Jahr 1973 ein Ufo erschienen ist, schwebt eine weltweite Regierung vor. Wählen und gewählt werden dürfe nur, wer einen bestimmten Intelligenzquotienten erreiche.

Erbschaften

Seine Sekte soll weltweit mehr als 55.000 AnhängerInnen haben. Sie müssen mindestens drei Prozent ihres Nettoeinkommens abliefern - hauptsächlich für den Bau eines noch in Planung stehenden Botschaftsgebäudes, in dem die Ufo-Wesen bei ihrer (vorausgesagten) Wiederkehr gebührend empfangen werden können. Eine weitere Finanzquelle sind Erbschaften. Über das Vermögen der Sekte gibt es keine zuverlässigen Schätzungen.

(APA, dpa, red - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 31.12.2002/1.1.2003)