Wien - 930 Menschen sind im Jahr 2002 im Straßenverkehr gestorben. Diese Zahl prognostiziert zumindest das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). Insgesamt sei die Zahl der Unfälle gleich geblieben, gestiegen sei die Zahl der Verletzten. Die endgültigen Zahlen werden heute vom Innenministerium präsentiert.

Wirklich zufrieden ist Othmar Thann vom KfV mit diesen Zahlen nicht. "Das Österreichische Verkehrssicherheitsprogramm sieht eine Reduktion der Verkehrstoten um 50 Prozent bis 2010 vor. Eine jährliche Verringerung der Getöteten ist daher notwendig", meinte er am Mittwoch. "Schon im ersten Jahr des Programms wird dieses jährliche Reduktionsziel bereits verfehlt - laut Prognose 36 Getötete zu viel."

Optimistischer blickt Thann ins Jahr 2003. Die Einführung des Mehrphasenführerscheins und die verpflichtende Blutabnahme bei Drogenverdacht sollen die Sicherheit auf den Straßen heben. Besonders bei den Fahranfängern hofft Thann auf eine Besserung der Situation. Ab 1. 1. 2003 muss jeder Führerscheinbewerber nach dem Führerscheinerwerb zusätzlich eine zweite Ausbildungsphase durchlaufen. Binnen zwölf Monaten haben Fahranfänger zwei Perfektionsfahrten in der Fahrschule und ein Fahrsicherheitstraining mit verkehrspsychologischem Gespräch zu absolvieren.

Mehr Alko-Kontrollen

Heuer soll vor allem das Vorgehen gegen Hochrisikofahrer verschärft werden, fordert das KfV. Verlangt werden unter anderem vermehrte Kontrollen gegen Alkolenker. In Österreich werden jährlich nur drei Prozent der Fahrzeuglenker auf Alkohol überprüft, kritisieren die Experten.

Weitere Forderungen sind beispielsweise die gesetzliche Regelung des Mindestabstandes, eine "zeitgemäße" Führerscheinausbildung und "Entrümpelung der Theorie" sowie verschärfte Kontrollen in Sachen Kindersitze sowie Gurtenpflicht.

Alkohol am Steuer war auch rund um Neujahr der Grund für Zwischenfälle auf den heimischen Straßen. In Oberösterreich fuhr im Bezirk Ried ein 20-jähriger Zivildiener gleich sieben Kilometer auf der Innkreisautobahn (A8) in die falsche Richtung. Gestoppt wurde er erst durch einen quer gestellten Wagen der Autobahngendarmerie. Der Geisterfahrer hatte 1,2 Promille im Blut und wird das neue Jahr ohne Führerschein beginnen.

In Salzburg sorgten zwei betrunkene Lenker bei der Exekutive für Arbeit. In Bergheim hatte ein 25 Jahre alter Mann 1,22 Promille intus, als er auf der Bundesstraße mit einem Taxilenker kollidierte. In der Stadt Salzburg trank sich ein führerscheinloser 19-Jähriger mit mehreren Gläser Cognac Mut an, stahl ein Firmenauto und beschädigte es bei der Spritztour.

Bereits Dienstagmorgen starben drei Menschen bei einem Unfall in Bruck an der Mur. Ein Pkw mit vier Insassen war in die eisige Mur gestürzt, als Grund für das Unglück nimmt die Exekutive überhöhte Geschwindigkeit an. Während sich der Besitzer des Wagens retten konnte, starben drei weitere Opfer im Wagen. Eine junge Frau dürfte noch versucht haben, durch den Kofferraum zu entkommen, sie ertrank jedoch ebenfalls. (APA, moe/DER STANDARD, Printausgabe, 2.1.2003)