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apa/avs

"Knapp ein Jahr nach der Einführung der Eurobanknoten und -münzen ist die Gemeinschaftswährung aus dem Alltag der europäischen Bürger nicht mehr wegzudenken." - So zufrieden leitete die EU-Kommission ihren Bericht über "Ein Jahr Euro" ein, allerdings wäre alles andere auch sehr verblüffend: Eine Währung, die in zwölf europäischen Staaten für insgesamt rund 300 Millionen Menschen die einzige Möglichkeit des Bezahlens ist, lässt sich schwer ignorieren.

"Eurobarometer"

Aber auch wenn gemeint ist, der Euro sei uns geläufig geworden, kann man die im November durchgeführte "Eurobarometer-Umfrage" nicht nur als Erfolgsstatistik lesen - selbst, wenn die Kommission es so will. Die Studie beschäftigt sich vornehmlich mit dem greifbaren Euro, also mit Scheinen und Münzen, und mit dem Umgang damit.

Demnach hat sich die überwiegende Mehrheit rasch an das Eurobargeld gewöhnt: 92,8 Prozent empfinden den Umgang mit den Banknoten, 66,8 Prozent den mit den Münzen als "einfach". Österreicher sehen es im Verhältnis zum Europa-Durchschnitt geringfügig weniger einfach: 89,5 Prozent kommen leicht mit den Scheinen zurecht, 66 Prozent mit den Münzen.

Qual mit den Münzen

Das heißt aber umgekehrt: Rund ein Drittel quält sich auch ein Jahr nach Einführung noch mit den Münzen - hauptsächlich mit schwierig auseinander zu haltenden Cents (über deren Aussprache die Deutschen weiterhin philosophieren: Sollen sie "Zent" oder "Ssent" sagen?).

Wie berichtet, wurde vor wenigen Tagen erst bekannt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) über die Einführung von Geldscheinen für ein und zwei Euro "nachdenkt". Vor allem Griechen und Italiener sind dafür, der Grund liegt auf der Hand: In beiden Ländern ist der Gebrauch von Münzen ungewöhnlich, weil schon niedrige Beträge in Scheinen bezahlt wurden.

Auch Österreichs Notenbankchef und EZB-Ratsmitglied Klaus Liebscher ist für "kleine" Euroscheine. Ebenso wie Belgiens Notenbankchef und EZB-Ratsmitglied Guy Quaden. Der setzte dem Wunsch des Volks noch eine finanztechnische Begründung nach und verglich mit dem Dollar: "Der Ein-Dollar-Schein ist ein Grund für die Popularität des Dollars in der Welt. Jeder kennt diese Note. Es wäre ein Beitrag dafür, den Euro weltweit zu etablieren."

Ähnlich auf das Ansehen der neuen Währung bedacht sind auch die Kommissions-Empfehlungen zur Durchsetzung des Euro in den Köpfen der EU-Bürger. Für die Wirtschaftstreibenden, sagen die Fachleute, sei dies kein Thema mehr, sie arbeiteten schon seit Jahren mit Eurosummen. Der schlichte Konsument aber, muss auch die Kommission zugeben, hängt hartnäckiger an seiner früheren Landeswährung. Die neueste Eurobarometer-Umfrage bestätigt, dass die "psychologische" Euroumstellung bei weitem noch nicht abgeschlossen ist. 42,2 Prozent der Verbraucher rechnen hauptsächlich in Euro, doch bei großen Ausgaben (zum Beispiel beim Haus- oder Autokauf) fällt dieser Prozentsatz auf 12,5 Prozent.

Ein Beispiel aus Österreich zeigt, dass diese Ausgaben gar nicht so hoch sein müssen: Eines der größten Möbelhäuser verbreitete sein Prospektmaterial zum Ausverkauf über den Jahreswechsel; darin sind sorgsam - vom kleinen Beistelltisch bis zum Schlafzimmer - alle Preise auch noch in Schilling angegeben.

Verzögerte Umstellung

Eine Vorgangsweise, die der EU-Kommission ein Dorn im Auge ist. Sie vermerkt in ihrem Bericht, dass immer noch 47,2 Prozent für eine zusätzliche Preisangabe in der alten Landeswährung sind, und moniert dagegen: "Gleichzeitig muss aber anerkannt werden, dass die ständige doppelte Preisangabe die psychologische Euroumstellung unvermeidlich hinauszögert und einem sanften Übergang sogar entgegenwirken kann. In Abstimmung mit Eurocommerce, der Vertretung des Handels gegenüber den EU-Institutionen, empfiehlt die Kommission dem Einzelhandel, die doppelte Preisauszeichnung schrittweise auslaufen zu lassen und bis spätestens 30. Juni 2003 ganz zurückzunehmen."

Polemische Kritik

Wie exakt das gelingt, wird das neue Jahr zeigen. Fest steht, dass die Euroumstellung weniger reibungslos vorangegangen ist, als sich die Kommission das erwartet hat. Ein Beispiel aus der Polemik dazu: Im Zusammenhang mit den in seinem Land geforderten Ein- und Zwei-Euro-Scheinen sagte akkurat das italienische EZB-Ratsmitglied Tommaso Padoa-Schioppa, die Argumente dafür seien nicht ausreichend, und wörtlich: "In Währungsangelegenheiten gilt: Je weniger man ändert, desto besser ist es."

Eurokritiker antworteten prompt, der Grundsatz habe wohl auch vor der Euroumstellung gegolten. (Klaus-Peter Schmidt, DER STANDARD Print-Ausgabe, 2.1.2003)