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Die Eröffnung der Magnet-Schwebebahn in Shanghai ist mehr als nur ein Zeichen zum Aufbruch.

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Peking - Das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik China hat 2002 angezogen. Dank höherer Exporte, Kapital ausländischer Investoren und mehr Staatsausgaben stieg das Bruttoinlandsprodukt acht Prozent auf 10,2 Bio. Yuan (1,18 Bio. Euro) berichtete das Nationale Statistikamt. Im Vorjahr belief sich Chinas Wachstum auf 7,3 Prozent.

Die treibende Kraft ist laut Experten der chinesische Exportsektor. Immer mehr Unternehmer verlagerten die Produktion ins Reich der Mitte, wo die Inlandsnachfrage steige und die Löhne niedriger seien als in den USA, Japan und Europa. 2002 flossen 50 Mrd. Dollar aus dem Ausland in die Volksrepublik - ein Rekord. 2003 dürfte der chinesische Exportsektor weiter wachsen. "China ist die einzige Wirtschaftsmacht, deren Motor auf Hochtouren läuft", sagt Michael Kurtz, Ökonom bei Bear Stearns Asia.

Tatsächlich wachse die chinesische Volkswirtschaft, deren Größe mit der italienischen vergleichbar ist, schneller als die der großen Handelspartner. Ausländische Unternehmen wie der Automobilhersteller Toyota, der Elektronikkonzern Emerson oder der brasilianische Flugzeugbauer Embraer verstärken die Produktion in China, um ihre Marktanteile im Inland auszubauen und die niedrigen Lohnkosten für den Export zu nutzen.

"Unternehmen aus Ländern, in denen es konjunkturell bergab geht, suchen nach günstigen Bezugsquellen", erklärte die Volkswirtin Joan Zheng den chinesischen Exportboom. "Die ausländischen Direktinvestitionen von heute sind die Exporte von morgen." In den ersten elf Monaten des Jahres stieg das chinesische Exportvolumen um 22 Prozent auf 293,7 Mrd. Dollar, berichtete das Nationale Statistikamt. Rund die Hälfte der chinesischen Exportgüter wird in Fabriken ausländischer Unternehmen hergestellt.

Höhere Staatsausgaben haben das chinesische Wirtschaftswachstum zusätzlich angekurbelt, sagen Volkswirte. Die Geldmenge stieg im Oktober auf Jahresbasis um 17 Prozent, das ist der größte Anstieg seit Juni 1999. Die staatlichen Investitionen legten in den ersten elf Monaten um 23 Prozent zu und haben sich so im Vergleich zum Vorjahresteitraum mehr als verdoppelt.

Im Gegensatz zu Japan, wo zahlreiche Infrastrukturprojekte von Ökonomen als reine Arbeitsbeschaffungsmaßnah-men kritisiert werden, benötige China tatsächlich bessere Straßen, Eisenbahnstrecken, Dämme und öffentliche Einrichtungen. Die staatlichen Investitionen seien der Grundstein für das zukünftige Wachstum, betont der Volkswirt Kurtz. (Bloomberg/DER STANDARD Print-Ausgabe, 2.1.2003)