Ein weiterer Schritt zur Entmystifizierung der Traditionellen Chinesischen Medizin: Schulmedizinische Untersuchungen haben gezeigt, dass Akupunktur sogar die Fruchtbarkeit von Frauen erhöhen kann.

New York/Wien - Akupunktur könne die Fruchtbarkeit von Frauen steigern. Zu diesem Schluss kommt Raymond Chang vom medizinischen Zentrum der Cornell University in New York, der eine Reihe von Studien zur Wirkung von Akupunktur auf Frauen mit Kinderwunsch ausgewertet hat. Über seine Arbeiten berichtete das US-Fachmagazin Fertility and Sterility. Damit belegt Chang bisherige Studien, nach denen Akupunktur eine Reihe von Leiden vor allem bei Frauen lindern beziehungsweise heilen kann.

Das mehr als 2000 Jahre alte chinesische Heilverfahren soll den Menstruationszyklus der Frau positiv beeinflussen und damit für einen regelmäßigeren Eisprung sorgen, schreibt Chang. Als zweiten möglichen Wirkmechanismus sieht der Forscher die Verbesserung der Durchblutung der Gebärmutter, was ebenfalls die Chance auf erfolgreiche Schwangerschaft erhöhe.

Entscheidenden Einfluss auf die Durchblutung

Dass Akupunktur als eine wesentliche Säule der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) einen entscheidenden Einfluss auf die Durchblutung hat, haben Untersuchungen aus Graz bereits vor einiger Zeit bestätigt: Die steirischen Neurowissenschafter Gerhard Litscher und Gerhard Schwarz hatten erstmals nachgewiesen, dass gezielte Nadelstiche tatsächlich zu einer erhöhten Sauerstoffzufuhr in bestimmten Bereichen des Gehirns führen können - im Gehirn deshalb, weil sie die Nadelstiche eben an spezifischen Akupunkturpunkten setzten, die für eine Durchblutungsförderung in Gehirnarterien ausschlaggebend waren.

Weitere Studien belegten in Folge, dass dieser Effekt auch durch Stimulation anderer Akupunkturpunkte, die sich etwa auf Organe auswirken, erzielt werden kann. Nun scheint der Nachweis gelungen zu sein, dass sich sogar die Durchblutung der Gebärmutter dadurch verbessern lässt.

Giftstoffe im Körper

Nach der TCM basieren Leiden des weiblichen Geschlechtstraktes primär auf einer "Störung des Windflusses". Der Wind, neben Erde, Feuer, Wasser und Raum eines der fünf relevanten medizinischen Elemente, sei für einen geregelten Stoffwechsel verantwortlich. Ein Teil der entstehenden schädlichen Stoffwechselprodukte würde mit der Menstruationsblutung ausgeschieden. Durch nicht organische Faktoren - von falscher Ernährung bis Depressionen - käme es zu Zyklusproblemen. Nicht alles Menstruationsblut - somit nicht alle Gifte - würden ausgeschieden. Im Gegenteil, die Stoffe würden über den Kreislauf wieder dem Körper zugeführt und so Leiden verursachen. Akupunktur - in diesem Fall verstärkte Durchblutung und Anregung des Zyklus - stelle eine aussichtsreiche Behandlungsform dar. (fei, DER STANDARD, Print, 02.01.2003)