Innsbruck - Innsbrucks Quantenphysikern ist ein weiterer, wichtiger Schritt auf dem Weg zum Quantencomputer gelungen. Die Wissenschafter konnten nach Angaben vom Donnerstag zeigen, dass "Ionenfallen" geeignete Bausteine für zukünftige Computer sein könnten.

Um festzustellen, ob eine Münze echt oder gefälscht ist, müssen normalerweise beide Seiten der Münze kontrolliert werden. Befindet sich auf beiden Seiten ein Kopf oder eine Zahl, ist die Münze falsch. Einem Quantencomputer genügt ein einziger Blick und er weiß sofort, ob die Münze gefälscht ist. Vereinfacht ist das genau das, was der Deutsch-Josza-Algorithmus beschreibt. Den Innsbrucker Quantenphysikern rund um Prof. Rainer Blatt gelang es nun gemeinsam mit Prof. Isaac L. Chuang vom Media Lab am MIT erstmals, dieses Rechenverfahren in einem winzigen Quantencomputer zu realisieren, berichtete die Fachzeitschrift "Nature" in ihrer jüngsten Ausgabe.

Methode

Dazu wurde ein einziges Kalzium-Ion in einer "Ionenfalle" eingefangen und im Vakuum in der Schwebe gehalten. Durch Kühlen des Ions mit Laserlicht bis zu Temperaturen knapp oberhalb des absoluten Nullpunkts und Anwendung maßgeschneiderter Laserpulse sei es den Forschern gelungen, die volle Kontrolle über die Bewegung und den Quantenzustand dieses Ions zu gewinnen. Dies sei die Voraussetzung für die Durchführung der Rechenoperation nach Deutsch-Josza. Die vier möglichen echten und falschen Münzen (Kopf/Kopf, Zahl/Zahl, Kopf/Zahl, Zahl/Kopf auf Vorder- und Rückseite) werden durch eine ausgetüftelte Abfolge von Laserpulsen (entsprechend der Software eines klassischen Computers) dargestellt.

Das Ion wird zum Beginn jedes Experiments in einen genau definierten Zustand versetzt. Das besondere dieses Ausgangszustands sei, dass er den Blick auf beide Seiten der Münze auf einmal erlaubt. So genüge den Experimentatoren dann eine einzige Messung, um zu erkennen, ob Vorder- und Rückseite gleich sind.

Wie herkömmliche Computer werde auch der Computer der Zukunft eine Rechenmaschine sein, in der zahllose Rechenoperationen durchgeführt werden. Mit dem Experiment habe ein weiteres Mal gezeigt werden können, dass Prozessoren aus Ionenfallen mögliche Grundbausteine für zukünftige Quantencomputer sein könnten. Im kommenden Jahr soll in Innsbruck der Grundstein für ein Forschungsinstitut für Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gelegt werden. (APA)