Angesichts der lahmenden Konjunktur und sinkender Aktienkurse schnallen US-Unternehmen bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (R&D) den Gürtel enger. Wie das Wall Street Journal heute, Donnerstag, berichtet, werden die R&D-Ausgaben der Konzerne im neuen Jahr lediglich um 0,1 Prozent wachsen. Dies sei der geringste Anstieg seit zehn Jahren, zitiert die Zeitung eine Untersuchung der Forschungsorganisation Battelle Memorial Institute. Gegen diesen Trend schwimmen Unternehmen wie Microsoft oder der Medizintechnik-Hersteller Medtronic, die auch 2003 ihre entsprechenden Ausgaben teilweise massiv steigern werden.

193,7 Milliarden Dollar für Forschung

Allgemein werden die US-Unternehmen 2003 rund 193,7 Mrd. Dollar für Forschung und Entwicklung ausgeben, was nur einen geringen Anstieg gegenüber den R&D-Ausgaben von 193,4 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr bedeutet. 2002 waren die entsprechenden Investitionen noch um 0,3 Prozent angewachsen, 2001 gar um fünf Prozent. Als Grund für die mageren R&D-Ausgaben sieht die Studie vor allem die Folgen des 11. September, den wirtschaftlichen Abschwung sowie die Bilanzskandale verschiedener Konzerne, die einen starken – negativen – Einfluss auf die Aktienkurse hatten. "Was früher als Notwendigkeit für ein langfristiges Überleben angesehen wurde, gilt jetzt als Luxus, der aufgeschoben werden kann", heißt es in der Battelle-Untersuchung. Für Studienautor Jules Duga ist vor allem die Korrelation zwischen sinkenden R&D-Ausgaben und fallenden Aktienkursen überraschend. Dies sei in der Vergangenheit nicht der Fall gewesen.

Microsoft steigert Ausgaben

Ausnahmen von der Zurückhaltung bei Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen bilden Unternehmen wie der Softwareriese Microsoft. Der Redmonder Konzern hatte im per Ende Juni zu Ende gegangenen Fiskaljahr insgesamt 4,3 Mrd. Dollar für R&D aufgewendet. Im laufenden Geschäftsjahr soll dieser Ausgabenposten nochmals steigen, und zwar auf fünf Mrd. Dollar, was insgesamt 16 Prozent des erwarteten Umsatzes entsprechen würde.

Gegen den Trend schwimmt auch die Bundesregierung, deren R&D-Ausgaben 2003 nach den Expertenschätzungen um 10,5 Prozent auf 89,5 Mrd. Dollar ansteigen sollen. Ein Großteil der Investitionen wird dabei freilich für den Kampf gegen den Terrorismus aufgewendet. Generell werden privater und öffentlicher Sektor zusammen in den USA im neuen Jahr 301,6 Mrd. Dollar für Forschung und Entwicklung ausgeben, was einem Zuwachs um 3,4 Prozent gegenüber 2002 entspricht. Im Vorjahr hatte der Zuwachs noch 3,5 Prozent, 2001 gar 6,5 Prozent betragen.(pte)