Wo Industriebauten sich mit Cinemascope und Existenzialismus treffen: "Il desserto rosso"

Foto: Filmmuseum

Wien - Das Gesamtwerk des "letzten großen 'Architekten' der Kino-Moderne" Michelangelo Antonioni (90) werden vom 7. bis 27. Jänner im Österreichischen Filmmuseum in neuen Kopien mit englischen Untertiteln gezeigt. Antonionis Name markiere eine zentrale ästhetische Position des 20. Jahrhunderts, einen "Neubeginn in der Geschichte filmischen Erzählens", der nun nachvollzogen werden kann, hieß es in einer Aussendung des Filmmuseums. Die Werkschau in Kooperation mit der Cinecitta Holding wird vom Italienischen Kulturinstitut Wien und dem italienischen Kulturministerium unterstützt.

Antonionis Filme wie u.a. der in Cannes 1967 mit der Goldenen Palme ausgezeichnete Popkultur-Kultfilm "Blowup", "Professione: Reporter", "Zabriskie Point" oder "L'Avventura" werden laut Kritikern von einer seltsamen Mischung aus Geheimnis, Erotik und Gesellschaftskritik durchzogen. Schon bald trat Antonioni als "Vollender und zugleich Überwinder" des Neorealismus, von dem seine Kurzfilme der 1940er Jahre noch geprägt waren, in Erscheinung und zeigte 1950 in seinem ersten Langfilm "Chronik einer Liebe" die Gefühlslagen und Rituale der Bourgeoisie anstatt Armut und Arbeiterklasse.

Abstahiertes Lebensgefühl

Zum meistdiskutierten Künstler des internationalen Films wurde der am 29. 9. 1912 als Sohn eines Gutsbesitzers in Ferrara geborene Regisseur zu Beginn der 60er Jahre unter anderem mit "L'avventura" und dann mit "Die Nacht" mit Jeanne Moreau und Marcello Mastroianni. Seine einsamen Figuren auf ihrem Weg durch die geheimnisvolle, labyrinthische Leere der Städte und Vorstädte - Antonioni drehte u.a. mit Monica Vitti, Jeanne Moreau, Marcello Mastroianni und Alain Delon - trafen und definierten ein bestimmtes Lebensgefühl, das Publikum und Kritiker faszinierte.

Der explodierende Luxusbungalow in "Zabriskie Point" oder die in "Blowup" festgehaltenen Swinging-London-Kultur brachten Antonioni einen hohen Stellenwert in der Jugendkultur ein, in den 70er Jahren drehte er auch den epischen Dokumentarfilm "Chung Ko Cina" über China oder mit Jack Nicholson und Maria Schneider den existentialistischen Road Movie "Professione: Reporter". (APA)