Wien/Innsbruck - "Ich setze jetzt ganz klar auf sensible Zonen und will in Brüssel erreichen, dass ganz Tirol diesen Status bekommt. Damit könnten wir höhere Mauten verlangen und in Kombination mit den Möglichkeiten, die uns das Immissionsschutzgesetz Luft bietet, den Transitverkehr deutlich einschränken", sagte Tirols Landeshauptmann Herwig Van Staa dem STANDARD.

Eine gesamtösterreichische Lösung, mit der sich auch Tirol identifizieren könne, sei wegen unterschiedlicher Interessenlagen nicht möglich. Anders als Wien oder Niederösterreich könne Tirol dem zuletzt diskutierten Vorschlag der dänischen Ratspräsidentschaft nicht zustimmen, wonach ab 2005 Lkw der modernsten Motorengeneration (Euro-4) ökopunktefrei fahren sollten. "In Tirol lebt ein Drittel der Bevölkerung an Transitrouten, unsere Ausgangsposition ist eine andere", sagte der Landeshauptmann.

Bei der Mauthöhe will sich Van Staa an der Schweiz orientieren, wo deutlich mehr kassiert wird als in Österreich. Voraussetzung für das Einheben höherer Mauten ist eine neue EU-Wegekostenrichtlinie, die im ersten Halbjahr 2003 kommen soll. Mit ihrem Inkrafttreten ist aber frühestens Anfang 2006 zu rechnen. "Damit könnten wir leben."

"Österreichs Interessen können in Brüssel am besten vertreten werden, wenn wir uns einig sind im Land", hieß es im Bundeskanzleramt. Nach dem Sonderverkehrsministerrat zu Silvester, der im Streit um die Ökopunkteverlängerung nicht beschlussfähig war, soll nun weiterverhandelt werden. Ob Österreich am 16. April in Athen die EU-Erweiterung notfalls blockieren wird, bleibt offen.(Günther Strobl/DER STANDARD, Printausgabe, 3.1.2003)