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Foto: APA/dpa/Ingo Wagner

Am Abend des Neujahrstages: "Engel mit gefalteten Flügeln, Schneeluft", notierte ich 1951. Heuer: Straßenränder ohne Schnee, umso mehr Hoffnung auf die Schneeluft unter dem unbeteiligten Himmel, selbst auf den Schnee von gestern, den Schnee im Salzburger Flachgau vor dem Untersberg 1971, die Flockenwirbel vor den vergitterten Küchenfenstern, das Schneelicht über dem kahlen Garten und der sinnlosen Allee in Großgmain, den dünnen Bäumen und dem verlassenen Haus der Frau Krause aus Berlin, als Mäntel, Hüte, die letzten Kleiderbügel und Vorhangstangen und Fensterläden und zuletzt sie selbst längst verschwunden waren, zugleich mit den Nachbarskindern aus den Dörfern.

Am Nachmittag des Neujahrstags bleibt selbst bei Föhnstürmen noch Hoffnung auf Schnee. Später vergeht sie. Aber die Hoffnung des Neujahrstages wird auch lange nach Dreikönig und lang nach erfüllten und unerfüllten Vorfreuden, Hoffnungen, Schneewünschen nicht zu bändigen sein. Und 2003 so wenig wie jedes Jahr davor.

"Ja, Konrad", sagt das Mädchen in Stifters Bergkristall zum größeren Bruder, mit dem sie in ein undurchdringliches Schneegestöber gerät. Und sie muss nicht wissen, was sie sagt: So wenig, wie der Schnee erfahren muss, wer ihn verlangt, wem er gefällt und wer ohne ihn seinem Glück auf der Spur bleibt, der Abwesenheit von Schnee, der Hoffnung auf ihn.
(DER STANDARD, Printausgabe, 3.1.2003)