Grafik: etat.at

... doch der Kärntner Minderheitensender bleibt on air: Die Mitarbeiter arbeiten vorerst kostenlos.

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"Wenn man uns aushungern will, wird man das auch an uns sehen", sagt Marica Stern-Kusej. Sie ist eine von fünf Redakteuren des slowenischsprachigen Radioprogramms dva, die nun mit Hungerstreik drohen. Schon jetzt kann dva nur auf Sendung bleiben, weil die Belegschaft ohne Honorar weiterarbeitet. Einigt man sich nicht bis Ende Jänner mit der Bundesregierung über die künftige Finanzierung des privaten, aber nicht kommerziellen Programms, wollen die Journalisten aus Protest auch die Nahrungs- aufnahme einstellen.

Bis Ende März bleibt der Radiosender der slowenischen Minderheit in Kärnten vorerst on air, erklärte Geschäftsführer Marjan Pipp am Donnerstag in Klagenfurt. Mit Ende 2002 hat der ORF die Kooperation und damit die finanzielle Unterstützung für Radio dva eingestellt.

Beschwerde gegen ORF

Dass der ORF die Kooperation aufkündigte, verletzt in den Augen Pipps das ORF-Gesetz. Dessen Paragraf fünf besagt für ihn "eindeutig, dass wir das Recht auf ein ganztägiges slowenischsprachiges Programm haben". Die entsprechende Passage fordert "angemessene Anteile in den Volksgruppensprachen" in den ORF-Programmen. "Teilweise" aufwiegen kann der Küniglberg selbige mit Sendungen auf den Volksgruppen selbst zugeteilten, privaten Frequenzen. Oder indem er an der "Gestaltung und Herstellung von Sendungen" mitwirkt, die in privaten Volksgruppenprogrammen laufen.

"Absolut unzulässig"

Beim Bundeskommunikationssenat beschwert sich dva also gegen den ORF, meint aber vielmehr Bundesregierung und Bundeskanzler. Dem will man 5000 alleine in den vergangenen zwei Wochen gesammelte Unterschriften präsentieren, die sich für den Erhalt von dva einsetzen. Mehrfach hat Volksgruppenvertreter Pipp Wolfgang Schüssel für das Schicksal von dva verantwortlich gemacht. Der verweigere die Unterstützung, beklagte auch dva-Redakteur Bojan Wakounig, obwohl diese der Volksgruppe laut Gesetz zustehe. "Absolut unzulässig" findet er, dva mit anderen Volksgruppenfragen zu verknüpfen: Wolfgang Schüssel habe im Sommer die Finanzierung von dva zugesagt, sollte sich die Volksgruppe mit nur hundert zweisprachigen Ortstafeln begnügen.

Honorare gibt es vorerst nicht

Honorare gibt es bei dva vorerst nicht, der Sachaufwand für den Weiterbetrieb des Senders ist laut Pipp durch eine Solidaritätsaktion slowenischer Organisationen, Institutionen und Vereine in Kärnten für drei Monate abgedeckt. Die Angestellten seien gekündigt, betreiben den Sender aber zunächst ehrenamtlich weiter. (fid, APA/DER STANDARD; Printausgabe, 3.1.2002)