Sulaymaniya/Wien - El-Kaida im Irak, mit dieser Schlagzeile vor ein paar Wochen schien der von den US-Falken herbeigesehnte Beweis für die Verbindung zwischen der islamistischen Terrorgruppe Osama Bin Ladens und Saddam Hussein hergestellt - mit dem kleinen "Schönheitsfehler", dass sich die mutmaßlichen El-Kaida-Mitglieder nicht im irakisch, sondern im kurdisch kontrollierten Nordirak aufhalten.

Konkret handelt es sich um ein paar Dörfer im von der PUK (Patriotische Union Kurdistans) Jalal Talabanis verwalteten Gebiet an der iranischen Grenze. Zu ein paar Hundert kurdischen Islamisten haben sich dort arabische Aktivisten gesellt, die nachweislich Kontakte zu Osama Bin Laden gehabt haben, die Angaben, wie viele es sind, schwanken von 80 bis 120. Ihren früheren Namen "Jund al-Islam" (Soldaten des Islam) hat die Gruppe, die im Herbst 2001 ein Massaker unter PUK-Anhängern und im Frühjahr 2002 einen Attentatsversuch gegen den PUK-Regierungschef Barham Salih verübte, mittlerweile durch das etwas weniger aggressive "Ansar al-Islam" (Helfer des Islam) ersetzt. Den Kurden selbst, mit ihren religiösen Orden und unorthodoxer Volksfrömmigkeit, ist das islamistische Gedankengut eigentlich völlig fremd.

Wechselweise werden Iran und Saddam Hussein beschuldigt, hinter dem Aufkommen der Gruppe zu stehen. Für Teheran ist das Thema im Licht von US-Anschuldigungen, El-Kaida zu unterstützen, besonders sensibel: Im September hat es stillschweigend den Ansar-Chef Mullah Krekar in die Niederlande abgeschoben und damit der Justiz ausgeliefert. Andererseits sieht es mit Argusaugen zu, wie die USA die PUK gegen die Ansar unterstützen.(DER STANDARD, Printausgabe, 3.1.2003)