Wien - 2002 war ein gutes Jahr für Wien und seine Bewohner. Das verkünden zumindest die Politiker dieser Stadt, vornehmlich jene der allein regierenden SPÖ. Natürlich werde auch 2003 ein gutes Jahr, tönt es gleich weiter. Ob gut oder schlecht: Faktum ist, dass heuer einige Großprojekte angegangen werden müssen, respektive Entscheidungen zu treffen sind, die ganz Wien betreffen werden. Das gilt vor allem für Projekte in Verkehr, Architektur und Stadtplanung, den Umwelt- oder Gesundheitsbereich.

Wien Mitte:

Für den Juni wird eine der spannendsten Entscheidungen erwartet- und sie wird nicht in Wien getroffen. Mitte des Jahres wird die Unesco bei ihrer Hauptversammlung in China entscheiden, ob Wiens City Welterbe bleibt oder nicht. Dies steht in Zusammenhang mit den umstrittenen, bis zu 97 Meter hohen Türmen in Wien-Mitte. Am ersten Turm wird seit Monaten gebaut.

Westbahnhof:

Noch im Jänner werden Details bekannt gegeben, wie der Westbahnhof und das Areal rundherum gestaltet werden. Dass das Architektenteam Neumann & Steiner den Architekturwettbewerb gewonnen haben, wurde vom STANDARD bereits berichtet. Der Startschuss für das Widmungsverfahren erfolgt in diesem Jahr.

U-Bahnbau/Prater:

Tief und weit wird ab dem Frühjahr gegraben: für die Verlängerung der Linie U2 um elf Stationen. Geplant ist die Fertigstellung des 1,2-Milliarden-Projekts bis zur Fußball-WM 2008. Außerdem wird mit der lila U-Bahnlinie das neugestaltete Messe- und Pratergelände verkehrstechnisch besser erschlossen. Weiters soll heuer die Entscheidung über die Verlängerung der U1 im Süden fallen.

ÖBB-Vertrag:

Nachdem die Flughafen-Schnellbahn S7 im Dezember nur im 30-Minuten-Takt in Betrieb ging, wurde ein neuer Nahverkehrsvertrag mit den ÖBB in Aussicht gestellt. Mit ihm wird sich weisen, ob nicht nur der Verkehr auf der S7, sondern etwa auch jener der S80 zum Flugfeld Aspern verstärkt wird.

Gratis-Rad:

Radeln in Wien kann gratis sein. Wenn man ein "Viennabike" ergattert und nicht von politischen Streitigkeiten vorzeitig gestoppt wird. Leider geschehen in Wien, die Radln stehen in der Garage. Aber die Fortführung der Gratisradaktion ist angekündigt. Ob und unter welchen Bedingungen, muss rasch geklärt werden, bevor im Frühjahr die neue Radsaison beginnt.

Biomasse-Kraftwerk:

Da Minister Martin Bartenstein vor Weihnachten noch die Verordnung über Einspeisetarife für Ökostrom erlassen hat, kann nun entschieden werden, ob und wann das "rot-grüne" Biomasse-Großkraftwerk errichtet werden soll.

Gesundheit:

Die Lebenserwartung steigt, darauf muss die Gesundheitspolitik reagieren. So wird im Frühjahr das Geriatriezentrum Süd mit spezieller Akutgeriatrie eröffnet. Weiters wird die Schlaganfallversorgung ausgebaut. Weiters wird sich zeigen, was Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann von ihren Reformplänen, die zum Teil vom Bürgermeister korrigiert wurden (DER STANDARD berichtete), nun noch umsetzen kann.

Ausländerwahlrecht:

Bereits getroffen wurde vor dem Jahreswechsel eine Entscheidung, die künftig wahlentscheidend sein kann. SPÖ und Grüne segneten das Ausländerwahlrecht auf Bezirksebene ab. VP und FP wollen das Gesetz heuer vor dem Verfassungsgericht bekämpfen. (Roman Freihsl, Andrea Waldbrunner, DER STANDARD Printausgabe 3.1.2003)