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Foto: Archiv

"Mich wundert, dass die Leute überhaupt noch Grippe bekommen", übt sich Reinhard Pekny in Sarkasmus: "Zuchtgarnelen sind eine richtige Schluckimpfung." Warum Shrimps mit Antibiotika voll gestopft sind, kann Pekny leicht erklären: Bei Flusskrebsen, wie er sie züchtet, erntet man mit viel Glück 300 Kilogramm pro Jahr und Hektar. Eine größere Besatzdichte ist unmöglich, sonst fressen die äußerst aggressiven und kannibalistischen Krebse einander auf.

Bei Shrimps sind es 4000 bis 6000 Kilo pro Hektar und Produktionszyklus - und in warmen Gewässern gehen sich pro Jahr zwei Zyklen aus. "Da ist das Wasser nur mehr Jauche", sagt Pekny.

Abhilfe gegen den enormen Infektionsdruck schaffen, erraten, die Antibiotika. Damit nicht genug, enthalten Garnelen hohe Mengen an polychlorierten Biphenylen, Umweltgiften industriellen Ursprungs, die sich besonders konzentriert im Lebensraum der Garnelen finden.

Meeresspinne

Flusskrebse hingegen stammen stets aus völlig sauberem Wasser. Auf die kleinste chemische Verunreinigung reagieren sie mit dem Exitus. Darum wären sie eine vorzügliche Alternative zu den Garnelen. (Streng kulinarisch gesprochen, erinnern sie noch mehr als an Garnelen an jenen Meereskrebs, der unter uns Venezianern granseola heißt und im Deutschen auf den wenig appetitanregenden Namen Meeresspinne hört.)

Allein, die Betonung liegt auf "wären": Denn Flusskrebse sind rar. Pekny erntet zum Verzehr rund 150 Kilo pro Jahr. "Aber Absatzschwierigkeiten hätte ich auch mit 1000 Kilo pro Woche keine", weshalb er seine Adresse lieber verheimlicht.

Ungleich mehr Krebse, nämlich rund 40.000 jährlich, verkauft er als Babys, zum Besatz von Bächen und Teichen. Pekny, Forstingenieur (noch nicht ganz fertig), studierter Wildbiologe und im Zweitberuf im Naturschutz tätig, widmet sich den Krebsen auch wissenschaftlich. Sogar Expeditionen nach Neuguinea und Madagaskar sind geplant.

Für die Zucht verwendet er, strikt ökologisch, nur heimische Krebse, vor allem den Edelkrebs.

Krebspest

Es ist ein steter Kampf gegen die Krebspest, eine Pilzerkrankung, die die europäischen Flusskrebse ungeheuer dezimiert hat und von den als Ersatz importierten amerikanischen Arten, die dagegen resistent sind, weiterverbreitet wird. Bis klar ist, ob ein Gewässer pestfrei ist, braucht es bis zu fünf Jahre und 70.000 bis 150.000 Euro, die verloren sind, falls die Pest sich ausbreitet. "Viel Lehrgeld" habe Pekny gezahlt, heute unterhält er vierzehn "saubere" Teiche - weit verstreut in Niederösterreich, im Burgenland und in der Steiermark. (Robert Schlesinger, DER STANDARD Printausgabe 3.1.2003)