Für ItalienerInnen droht das Telefonieren mit Handys in Zügen immer schwerer zu werden. Im römischen Parlament wurde diese Woche ein Gesetzprojekt eingereicht, mit dem man Bahnreisende vor nervendem Gebimmel und Telefongesprächen anderer Passagiere schützen will. Dem Projekt zufolge sollen auf ICE-Zügen Waggons eingeführt werden, in denen das Telefonieren verboten ist, berichtete die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" in ihrer Freitagsausgabe.

Recht

"Nicht gestört zu werden, wenn man mehrere Stunden reist, ist ein Recht aller Passagiere. Die Appelle der Staatsbahnen, Mitreisende zu respektieren, werden zu oft ignoriert. Daher sollten in allen Zügen Telefonierzonen nach dem Vorbild von Raucherabteilen eingerichtet werden, während in anderen Waggons ein Handyverbot herrschen soll", betonte der Parlamentarier Enrico Nan, Verfasser des Gesetzesprojekts.

Beschwerden

Die Bahnen scheinen am Projekt interessiert zu sein, da täglich Beschwerden über ungezogene Mobiltelefonierer eintreffen. Die Erfahrung zeige, dass Handy-Besitzer im Falle eines Anrufs nicht immer auf den Gang gingen, um in Ruhe zu telefonieren, betonte ein Sprecher der italienischen Bahnen. Die wenigsten Fahrgäste stellen den Klingelton im Zug leiser. Immer mehr Passagiere fühlen sich vom Geschwätz der Telefonierenden belästigt. Auch die Regierung zeigte sich mit der Einführung von so genannten Ruhewagen, in denen die Benutzung von Mobiltelefonen unerwünscht ist, einverstanden.

Statistisch

Italien ist das "handyfreudigste" Land der EU. Bis 2005 wird es in Italien mehr Handys als Einwohner geben. Laut einer Studie der römischen Universität Luiss wird es in Italien 58,6 Millionen aktive Mobilfunknummern geben, während die Anzahl der ItalienerInnen stabil auf 56,3 Millionen bleibt. Die hohe Zahl ist damit zu erklären, dass immer mehr Italiener mehr als ein Handy besitzen.

Telefonitis

Die ItalienerInnen sind MeisterInnen im Telefon-Gesäusel. Während sie sich weniger für Internet und PCs begeistern, ist das Handy von einem Kultobjekt zu einem Massenprodukt geworden, dessen Erfolg nicht abklingt. Die Soziologen erklären diesen Trend mit der starken Kontaktfreudigkeit und Gesprächigkeit der Italiener, die den hohen Tarifen trotzen. Die ItalienerInnen wechseln im Durchschnitt ihr Handy einmal pro Jahr und schaffen sich stets neue, fantasiereichere Modelle an. Die Mobilfunkbetreiber hoffen, dass auch die UMTS-Telefone, die an diesem Jahr massiv auf den Markt kommen, das Interesse wecken werden. (APA)