Wien - 54 Prozent der Österreicher über 16 Jahren wünschen sich eine Regierungsbeteiligung der SPÖ. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Telefonbefragung der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft (SWS), die am Freitag in einer Pressekonferenz in Wien präsentiert wurde. Nur 31 Prozent der im Dezember befragten 801 Österreicher sprachen sich für den Gang in die Opposition aus.

Der Obmann-Stellvertreter der SWS, Herbert Skarke, meinte, dies sei kein überraschendes Ergebnis: "Die Mehrheit der Österreicher wünscht sich stabile politische Verhältnisse zur Lösung der anstehenden Probleme, und keine Experimente."

Ähnliche Ergebnisse kämen auch von anderen Instituten, wobei die Zahl der Befürworter einer Zusammenarbeit von ÖVP und SPÖ seit der Wahl steige: Ende November hätten sich erst 42 Prozent dafür ausgesprochen. Studien, die zeitgleich mit der SWS-Befragung im Dezember durchgeführt worden seien, kämen auf 52 bis 54 Prozent Zustimmung. Und eine erst in der Vorwoche abgeschlossene Befragung habe bereits ein Ergebnis von 58 Prozent gebracht, so Skarke.

Überdurchschnittlich war in der SWS-Studie die Zustimmung für eine Große Koalition bei den Frauen: Sie lag bei 57 Prozent. Männer sprachen sich dagegen nur zu 48 Prozent dafür aus. Hohe Werte wurden auch bei ÖVP- und SPÖ-Sympathisanten mit 62 bzw. 57 Prozent gemessen.

Der Wiener SPÖ-Gemeinderat Thomas Reindl - er ist auch stellvertretender Schriftführer in der SWS - zeigte sich bei der Pressekonferenz trotz des Studienergebnisses skeptisch: Unter SPÖ-Funktionären herrsche große Enttäuschung darüber, wie die ÖVP in den vergangenen zweieinhalb Jahren mit ihrem ehemaligen Koalitionspartner umgegangen sei. Reindl sprach von der "geballten Faust in den Hosentaschen mancher Funktionäre". Bei einer Großen Koalition "würden es massive Öffentlichkeitsarbeit innerhalb der Partei brauchen". (APA)