Leipzig - Die Veränderung des Gehirns bei Alzheimer ist nach Überzeugung des Leipziger Hirnforschers Thomas Arendt in der Evolution des Menschen begründet. Die Degeneration trete stets in solchen Regionen auf, die entwicklungsgeschichtlich relativ jung seien, sagte Arendt, der nach eigenen Angaben seit rund 20 Jahren die Ursachen der Schrumpfung des Gehirns bei Alzheimer-Kranken erforscht.

Arendt hatte bereits 1986 im Gehirn der Betroffenen nicht nur weniger Nervenzellen als in gesunden Gehirnen gefunden, sondern auch neue Fortsätze an den übrig gebliebenen Nervenzellen entdeckt. Daraus schloss er, dass der Mensch offenbar nicht dafür gebaut sei, wesentlich älter als 40 Jahre zu werden. "Die Natur verwendet für Nervenzellen Material, das phylogenetisch für etwas anderes gedacht war", erklärte Arendt.

Schutzmechanismus

Jeder Zellverband könne sich durch Zellteilung selbst regenerieren. Für die Nervenzellen bringe das aber zu viele negative Effekte mit sich. Deshalb habe die Natur einen Schutzmechanismus entwickelt, der das verhindere. Die Teilung von Neuronen bleibe unvollständig und die Zelle sterbe ab. "Das könnte die spezifische Antwort der Nervenzellen auf die Krebsentartung anderer Zellarten sein", vermutete der Experte.

Das Forschungsteam untersuche nun, welche Mechanismen für den Zelltod bei Alzheimer verantwortlich seien und wie man dies verhindern oder wenigstens verzögern könne. Gleichzeitig solle herausgefunden werden, wie Alzheimer frühzeitig erkannt werden könne, sagte Arendt. (APA/AP)