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Düsseldorf - Die einst traumhaften Margen der Unternehmen in der Pharmabranche drohen angesichts auslaufender Patente zu schrumpfen. Nicht nur, weil die Preise in vielen Ländern unter Druck geraten. Den Forschern gehen offenbar auch die Ideen aus. Patente für hoch profitable Arzneimittel laufen ab, ohne dass die Konzerne entsprechenden Nachschub in der Pipeline haben. Trotz der schöpferischen Krise sparen manche Konzerne im Forschungsbereich und versuchen anstatt dessen, mit immer größerem Aufwand bestehende Patente so lange wie möglich auszunutzen.

Dieses Jahr wird mit Blick auf die Patentabläufe eine kurze Atempause sein, doch 2004 und 2005 ist wieder mit einem neuen Höchststand zu rechnen. Allein nächstes Jahr seien 4,5 Prozent der Pharma-Umsätze in den USA von ablaufenden Patenten betroffen, rechnet WestLB-Analyst Andreas Theisen vor. Sobald die Patente großer "Blockbuster" auslaufen, geht deren Absatz rasant zurück, da die Hersteller von Nachahmerprodukten meist schon in den Startlöchern stehen. Dieser Trend hat sich in den Vorjahren verstärkt, denn die Loyalität der Patienten zu bestimmten Präparaten hat abgenommen und die Ärzte sind angehalten, möglichst billige Medikamente zu verschreiben.

Keine Forschungsanstrengungen

Die meisten Hersteller verstärken ihre Forschungsanstrengungen in dieser Lage nicht. Einige - wie die Leverkusener Bayer AG - setzen hier sogar den Rotstift an. Da die Entwicklung eines neuen Wirkstoffs viele Jahre in Anspruch nimmt und obendrein die Anforderungen der Behörden bei der Zulassung von Medikamenten wachsen, versuchen manche Konzerne schneller ans Ziel zu kommen, indem sie kleinere Unternehmen mit einem Portfolio an aussichtsreichen Patenten aufkaufen.

Unternehmen sind bemüht, ihre bestehenden Schutzrechte faktisch über die offizielle Laufzeit hinaus zu erhalten. Dafür überziehen sie vermeintliche Patentverletzer mit Klagen. Es ist kein Zufall, dass ein Großteil der Patentprozesse in den USA geführt wird. Sie sind der größte Pharmamarkt der Welt, und Patente werden hier schneller erteilt als in Europa. Dafür sei es allerdings in manchen Fällen auch vergleichsweise einfach, ein US-Patent vor Gericht anzufechten, sagt Thomas Weber von den Kölner Patentanwälten von Kreisler-Selting-Werner.

In den USA kann sich der Gang vor Gericht sogar dann lohnen, wenn der Prozess eigentlich aussichtslos ist. Das beste Beispiel dafür ist der Streit um das Magenmedikament Omeprazol. Auf diesen Wirkstoff hatte AstraZeneca ein Patent, das 2001 abgelaufen war. Gleichwohl verklagte der Konzern mehrere Generikahersteller, die ein billigeres Konkurrenzprodukt anbieten wollten. Am Ende stand zwar diesen Herbst die Monheimer Schwarz Pharma AG als Sieger fest. Doch für AstraZeneca hatte sich das aufwendige Verfahren allemal gelohnt: Sie hatte ihr US-Monopol de facto um ein Jahr verlängert und damit bei einem Jahresumsatz von rund drei Mrd. US-Dollar jeden Tag gutes Geld verdient.(APA/vwd)