Salzburg - Die Arbeit in der Tourismusindustrie ist generell kein Honiglecken. In Obertauern deckte die Gendarmerie nun allerdings mutmaßliche kriminelle Praktiken auf. Die Geschäftsführerin eines Hotels soll ihre Angestellten über Nacht eingesperrt haben, auch während des Tages war das Verlassen des Hotels verboten. Ein Teil der ausländischen Arbeitnehmer war zudem illegal beschäftigt.

Fluchtmöglichkeiten gab es nicht

Anfang Dezember soll die Frau mehrere ihrer Angestellten zur Nacht in den Personalzimmern im Keller beziehungsweise im ersten Stock eingeschlossen haben. Auch während der Arbeitszeit wurde der Keller versperrt, nur zur Essenszeit und bei Kontrollen wurde die Tür geöffnet, ergaben die Erhebungen der Gendarmerie. Im Falle eines Brandes hätte die Belegschaft keine Fluchtmöglichkeit gehabt.

Toilettenartikel verboten

Auch während des Tages durften die Beschäftigten den Betrieb nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Chefin verlassen. In einem Fall soll einer Bediensteten der Kauf von Toilettenartikeln verboten worden sein. Die Frau habe sich daher mit einem Geschirrspülmittel waschen müssen.

Versuche der Arbeitnehmer, sich gegen diese Schikanen zur Wehr zu setzen, sollen von der Geschäftsleitung mit Kündigungsdrohungen beantwortet worden sein. Im Falle eines freiwilligen Abganges wurde den Angestellten beschieden, sie müssten das Gehalt ihres Nachfolgers selbst bezahlen.

Mit Abschiebung gedroht

Den im Hotel beschäftigten Ausländern stellte die Chefin auch die Rute der Abschiebung ins Fenster. Wie sich bei einer vom Landesgericht Salzburg angeordneten Hausdurchsuchung allerdings bald herausstellte, war ein Teil der ausländischen Kräfte ohnehin illegal beschäftigt worden. Auch das Arbeitsinspektorat stellte erhebliche Mängel fest.

Der Besitzer des Hotels wird zumindest in einem Fall der Nötigung verdächtigt, er wurde ebenso wie die Geschäftsführerin bei der Staatsanwaltschaft Salzburg und der BH Tamsweg angezeigt. Auch der Fremdenverkehrsverband in Obertauern beschäftigt sich mittlerweile mit dem Fall. (APA, moe, DER STANDARD Printausgabe 4/5.1.2003)